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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 237

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Der Friedhof in Frankfurt a. M.
Date
1930-05-01
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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DER FRIEDHOF IN FRANKFURT AM MAIN 237 Anlagen minderer Art, das Auge zur Schaulust angeregt und von einem hervortretenden EfVekt abgelenkt oder von zahlreichen Details zerstreut, also eine unruhige Neugier genährt wird, spricht hier eine einmütige, umfassende Ordnung zum Geist und führt ihn auf ihre feierliche Bahn. So vorbereitet, erwartet er auch von dem näheren Umblick nicht mehr das „Interessante", sondern nur das tiefere Erlebnis dieser streng gemessenen, weltabgeschiedenen und sinnigen Ordnung. Das Umsehen und Umgehen wird ein Innewerden. Nun nimmt die aufmerksame Betrachtung gegen die Straße und gegen den Friedhof zwei niedere Mauern wahr, die erste Stufe des Aufbaues, der sich auch an den Gebäuden mit flach gedeckten Absätzen zu mäßiger Höhe erhebt. Es ist ein breites Lagern, gleich angemessen dem eben ausgespannten Felde, zu dem das Bauwerk leitet, und der Stätte1 der Liegenden. Die andere, die aufrechte Richtung wird zurückgehalten. Die prismatischen Pfeiler der Arkaden, entlang der Seitenmauern hindurch und dann im Winkel noch an die Gebäude herangeführt, nehmen die Vertikale auf, die Pfeiler der Eingangslaube vor der Trauerhalle heben sie zu doppelter Höhe. So tritt zu dem regulären Plan der reguläre Zuschnitt des Baues, so ergibt sich der geometrische Zusammenhalt der Form. Folgerichtig entwickelt, auf das Gesetz von Maß und Zahl gestellt, skandiert und gesteigert, wird er zur Grundlage einer neuen exakten Harmonie. Neu? Gewiß. Denn sie ist auf ihre sehr saubere Weise auch sehr vernünftig, hat also das logische Denken unserer Zeit für sich. Aber darum doch nichts weniger als modisch und — trotz der äußeren Beziehung — nichts weniger als ägyptisch oder sonstwie „orientalisch". Sondern der Tradition nur verbunden durch die Aufnahme der einfachen Elemente, auf denen Monumentalität beruht. Den vorwiegenden Wagerechten treten unterstimmig die Senkrechten, den Lichtern die Dunkelheiten entgegen. Das und jenes immer groß, sein Gegenspiel immer bedeutend, schwermütig, nicht völlig entlastet, aber klar und ruhevoll in der Wirkung. Denn das ist die Kunst des Baumeisters: daß er die elementaren Mittel, die er gebraucht, nicht nur ursprünglich und energisch festhält, sondern, daß er sie auch harmonisch komponiert. So behandelt, wird hier die Bauform auch zu einer ausdrucksvollen geistigen Erscheinung: zum Symbol schlichter, ernst gebundener Würde. Über den Portalen, auf der mittleren der fünf Bronzetüren, die zur Trauerhalle führen, stellen die Worte der Schrift: „Die in Gradheit gewandelt, kommen zum Frieden und ruhen auf ihren Lagern."

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