Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Der Friedhof in Frankfurt a. M.
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
- Language
- German
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236 MEN ORAH Der Kaddischraum, durch den der Trauerzug das Gebäude verläßt und in den er nach der Bestattung — an Waschgelegenheiten vorüber — wieder zurückkehrt, sammelt die Teilnehmer zum Gebet. Für die Schiwoh-Sitzcnden stehen hier niedere Hocker bereit, damit sie noch auf dem Friedhof diese alte Form strenger jüdischer Trauer beginnen. Hinter dem Rednerpult des Hauptraumes, der mit den angelegenen eine Baueinheit bildet, führt eine Schiebetür in den Mütelllur der nordwärts ziehenden Leichenhalle. Von der Seite her voll beleuchtet und durchlüftet, ist dieser Raum in reinem Weiß gehalten und beiderseits von je sechs schwarz gebeizten Schiebetüren begleitet, die sich zu den Leichenzellen ölfnen. In den benachbarten Zimmern der Wärter und Wärterinnen ermöglichen Glaswände den Überblick der Zellen. (Selbstredend ist hier alles für den hygienischen Schutz der Männer und Frauen vorgesorgt, die den nach jüdischer Ansicht ehrenvollen Totendienst selbstlos versehen.) Um die Ausübung der seit Jahrhunderten bestehenden Gebräuche bei der Waschung und Einsargung des Toten auch für diesen Friedhof zu sichern, ist ein eigener Tahararaum entsprechend eingerichtet und der — behördlich vorgeschriebene — Sezierraum so ausgestattet worden, daß er gleichfalls jenem ritualen Zwecke dienen kann. Der Südblock umfaßt das Verwaltungsgebäude mit drei Beamtenw7ohnungen, den Bureaus, den Wirtschaft shof mit der Gärtnerei, eine Kantine, Geräteräume, einen Stall, eine Remise, eine Nähstube u. a. m. Er hat eine eigene Zufahrt und ist auch sonst — bis auf einen Schalterraum für Auskünfte — gegen den Portalhof durchaus abgeschlossen. Auch die Leichenhalle hat eine besondere Einfahrt, die Kohanim, die Rabbiner und die Angehörigen des Verstorbenen haben besondere Eingänge. Das Portal zum Hofe bleibt der Trauergemeinde vorbehalten. Schon diese Regelung des Verkehrs zeigt deutlich genug, daß die Anlage in dem Portalhof wurzelt. Hier muß auch der Standpunkt gelegen sein, der den entscheidenden Eindruck vermittelt. Wir sind unter freiem Himmel, in einem regelrechten Viereck, umgeben von klar gestuftem Mauerwerk aus hart gebranntem Klinker. Die Regularität der Grundform, die Gleichartigkeit des farbigen Baustoffes und der große Zug des Aufbaues bestimmen die erste Wirkung. Sie sammeln den Geist, beruhigen ihn und bringen ihn auf ihre Ordnung. Und das ist für den Anfang das Wichtigste. Wenn anderwärts, bei