Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Der Friedhof in Frankfurt a. M.
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
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DER FRIEDHOF IN FRANKFURT AM MAIN 235 tischen Arkadenhof, gegenüber führt ein zweites Portal zur Gräberstätte. Im Norden des Hofes liegt der Block mit den Sakralräumen, im Süden das Verwaltungshaus. Auf diesem langgestreckten Grundriß — dem zentralen Hof mit den zwei ungleichen, aber in eine Längsachse gestellten und jeweils regulär und symmetrisch abgesetzten Bauwerken — beruht die prägnante Ordnung der Anlage. Über die Einrichtung des Nordblocks äußert sich der Architekt in seiner Baubeschreibung folgendermaßen: Die vom Portalhof durch fünf Bronzetüren erreichbare große Trauerhalle enthält in ihrem vorderen Raumteil das Rednerpult und zu beiden Seiten die Sitze für die Leidtragenden. Alles Holzwerk des Raumes ist in matt geräucherter Eiche getäfelt. x\us dem Holz seiner Decke wirft ein in schmalen Schlitzen eingeschnittenes Oberlicht besondere Beleuchtung. Außer dem Totenlicht an der Vorderwand des Rednerpultes zeigt der Raum kein anderes künstliches Licht, wohl aber eine Reflexbeleuchtung zwischen der äußeren und inneren Verglasung der matten Fensterreihen hoch oben an den Längsseiten, hart unter der Decke. Die Gliederung dieser Fenster unter der matt getönten, rauh verputzten Decke, die loggienartigen Emporeölfnungen und die endlos umlaufenden Bänder der Holzvertäfelung verleihen dem Raum den Eindruck einer bedeutenden Weite. Hubwände ermöglichen seine Verbindung mit den Nachbarräumen, der Raumeindruck wechselt, aber die Raumform bleibt geschlossen. An die große Trauerhalle schließt sich einerseits die kleine, anderseits der Kaddischraum an. Die kleine Trauerhalle empfängt ihr Licht von der Westwand, die vom Boden bis zur Decke von einer Fenstergruppe durchmessen wird. Eine vierteilige Tür führt von hier in den Kondolenzraum, daneben liegt der Kohanimraum. Es ergibt sich demnach eine geschlossene Gruppe von drei Räumen, die auch außen, durch einen Dachschlilz, vom Ganzen getrennt wird, um den Kohanim den Zutritt zu den Trauernden und eine Annäherung an die Trauerfeier zu ermöglichen. Kulissenartig verdeckte Öffnungen verbinden den Kohanimraum mit dem Hauptraum, ebenso den von der Trauerhalle aus unsichtbaren kleinen Raum für das Harmonium und die Sänger; denn das Bauprogramm wollte auch denjenigen Kreisen gerecht werden, die eine besondere Ausgestaltung der Trauerfeier, abweichend vom alten Herkommen, wünschen. Aus dem gleichen Bedürfnis entstand ein großer Ptlanzenraum zur Aufnahme der Bäume und Blumen, die auf besonderen Wunsch der Angehörigen die Halle schmücken.