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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Der Friedhof in Frankfurt a. M.
Date
1930-05-01
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 MENORAH ohne Beispiel. Wir in Wien wissen davon zu erzählen. Seit Otto Wagner hier vor mehr als vierzig Jahren die neue Baubewegung eingeleitet hat, ist Wien eine bevorzugte Stätte der modernen Baukunst geblieben; seit beinahe zwanzig Jahren zählt sie eine Reihe von jüdischen Architekten zu ihren besten Kräften, ganz gewiß so viele, wie sie sonst nirgend an einem Orte beisammen sind. Die Verhältnisse liegen also hier für unsere auftraggebenden Körperschaften ganz besonders bequem; sie brauchten nur zuzugreifen. Aber sie mögen nicht. Denn sie haben kein wirkliches Interesse an der Kunst, am allerwenigsten an der neuen, mit der sie nicht zurechtzukommen wissen. Da ist es am einfachsten, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen. Und im übrigen die Dinge laufen zu lassen. Wohin? Ins Leere. Denn von selbst laufen die Dinge weder zurück, noch vorwärts, sondern immer ins Leere. Oder auf unseren Fall angewendet: Taucht da einmal der Plan eines Sakralbaues auf, dann hat man im Sachlichen auf Grund der statistischen Ermittlungen sehr exakte Vorstellungen, aber im übrigen werden die Gedanken nicht weiter bemüht, jedermann ist sicher, daß es etwas Imposantes wird. Und das wird es, von selbst. Denn der Baumeister dieser Bauherren kennt nichts so sehr wie diesen unklaren, efTektsüchtigen Instinkt, das trübe Element, in dem beide Teile sich so gut verstehen. Er braucht also nur geschickt zu lavieren, das treibende Ungefähr wird — zwangsläufig — das allseits erwünschte Ergebnis haben: die faustdicke, dröhnende Stilarchitektur, unschlüssig, unerlebt und ungestaltet wie das religiöse Gefühl oder die Weltanschauung, die es doch darstellen soll, ein trauriges Dokument unserer Kulturlosigkeit in Dingen der Kunst. Unter solchen, leider noch immer fast allgemeinen Umständen wirkt die Frankfurter Formulierung der Bauaufgabe ganz besonders als das willkommene Zeichen einer ideellen Wendung. Was wir immer wieder gefordert und als den alles entscheidenden guten Anfang bezeichnet haben: die Willigkeit, das Verständnis und die stichhältige Erfahrung der Verwalter unserer Gemeinden, das hat sich dort zusammengefunden und hat das Werk grundsätzlich mustergültig in Gang gebracht. Der Baumeister befand sich in einer beneidenswerten Lage, er hatte modern gebildete Bauherren, beide Teile verkehrten auf dem gleichen hohen Niveau. Da mußte die Arbeit eine Lust sein und so sehr gelingen, wie es tatsächlich der Fall geworden ist. JLfer Bau legt sich quer vor das Gräberfeld. Von der Eschenheimer Landstraße betritt man durch ein erstes Portal den quadra-

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