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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 225

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Gegensätze zwischen dem Judentum und der Lehre Jesu
Date
1930-05-01
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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DIE GEGENSÄTZE ZWISCHEN DEM JUDENTUM 225 du weißt, was du tust, Heil dir! Wenn du aber nicht weißt, verflucht seist du und ein Gesetzesübertreter!''7). Das war Jesu innere Hallung gegenüber dem traditionellen Judentum und der Überlieferung der Ältesten. Durch seine Gleichnisse und durch die von ihm geschilderte Handlungsweise seiner Jünger sowie manchmal auch durch eigene Taten (z. B. die Heilung einer ungefährlichen Krankheit am Sabbat), vor allem aber durch die Gegenübersteilung des: „Es wurde euch gesagt" (in der schriftlichen oder mündlichen Lehre) mit dem: ,./c/t aber sage euch", und schließlich durch seine gegen die Gesamtheit der Pharisäer gerichteten Angriffe — durch all dies nimmt er meinunbewußt, instinkünäßig, als absichtlich den Zeremonialgeselzen ihre Bedeutung und stellt sie, im Vergleich mit dem Sitiengesetz. als eine Sache zweiten Ranges hin, bis er sie schließlich fast aufhebt. Aber eben nur „fast". Die letzte Konsequenz aus seinen Worten zog Jesus nicht. Er selbst beobachtete die Zeremonialgesetze bis zum letzten Tage seines Lebens — wenn auch nicht gerade mit pharisäischer Genauigkeit und ganz besonderem Bedacht. Diese letzte Konsequenz der gänzlichen Aufhebung des Zeremonialgeselzes und der dadurch ermöglichten Christianisierung der unbeschnittenen Helden zoy ein anderer Pharisäer, Smil von Tarsus, nachdem er der Apostel Paulus geworden war. Doch hatte er Anhaltspunkte, um sich auf Jesus zu berufen, als er nun an die Vernichtung des von Simon Petrus und Jakobus begründeten „Judenchristentums" ging. Dieser Haltung Jesu konnte das Judentum nicht zustimmen: ihm bedeutet Religion mehr als nur Glauben und Ethik: Sie ist ihm der Weg des Lebens. Ein Volk kann sich nicht durch einen abstrakten Glauben und eine allgemein-menschliche Ethik erhalten; es braucht eine praktische Religiosität, Formen, die die religiösen Ideen zum Ausdruck bringen und das Leben des Alltags mit der Heiligkeit der Religion durchdringen. Jesus ersetzte das alte Zeremonialgesetz weder durch ein neues (er hat wohl nur das kurze Gebet: „Vater unser!'" geschaffen), noch zeigte er neue Wege für das nationale Leben, obwohl er die alten verließ oder doch andeutungsweise sie zu verlassen aufforderte. Schon damit entwurzelte er das Volk aus seiner Nationalität, denn die rein sittlichen Gebote sind ja bei allen Völkern die gleichen. Zwar hatten sich auch die Propheten darüber ereifert, daß die religiösen Pflichten zur „angelernten Menschensatzung" geworden seien und äußere Zeremonialgesetze, z. B. Opfer, zur Hauptsache, Recht, Gerechtigkeit und Milde aber zu einer Angelegenheit zweiten Ranges.

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