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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Gegensätze zwischen dem Judentum und der Lehre Jesu
Date
1930-05-01
Page
Seite 224 (sequence 2)
Language
German
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224 MENORAH Neuerungen nicht als Aufhebung eines Thoragebotes erscheinen sollten. Nach der Ansicht Jesu bedeuten diese vorsichtigen Änderungen durch Verknüpfen des Neuen mit dem Alten nichts anderes als das Nähen eines Lappens auf einen anderen Lappen, als das Flicken eines alten abgetragenen Kleides, das die neuen Lappen nicht einmal festhalten kann und schließlich vollständig zerreißen muß. Ein neuer Inhalt braucht auch eine neue Form. Im Gegensatz zur Lehre der Tannaiten: Schau nicht auf den Krug, sondern auf das, was darin ist: ein neuer Krug kann voll des alten Weines sein"2) —lehrte Jesus, daß neuer Wein auch einen neuen Krug erfordere. In Matthäus3) finden wir dazu eine bemerkenswerte Stelle. Jesus vergleicht das Gotlesreich mit einem verborgenem Schatz auf dem Felde, um dessenlwillen der Mensch, der von diesem Schatz erfuhr, all sein Hab und Gut verkaufte und jenes Feld erwarb, oder mit einem Kaufmann, der Edelsteine suchte und einer sehr kostbaren Perle wegen sein ganzes Eigentum verkaufte, oder schließlich mit einem im Meere ausgebreiteten Fischernetze, in dem alle möglichen Arten von Fischen gefangen werden, von denen die schlechten Sorten weggeworfen und nur die guten zurückbehalten werden. Nach all diesen Gleichnissen fragt er seine Hörer: „Habt ihr all das verstanden?" Und als sie sprachen: „Ja, Herr!", sagt er ihnen folgende schwerwiegenden Worte: „Darum ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt (uLxS-'/nrevfrst? zlc, tyjv ßa<ji*eiav4) tcov oupavoiv), ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt"5). Die Worte sind klar: Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten glauben an das Gottesreich, aber sie sind gleichsam dort nur „Hausväter", Bourgeois, und nicht imstande, das Alte wegzuräumen, um dem Neuen Platz zu machen: so häufen sie dieses auf jenes, das Wertvolle auf das Wertlose, ganz wie ein „Hausvater" mit seinem Eigentum verfährt. Jesus aber, der König des Gotiesreichs, der König-Messias, will das Alte vom Neuen trennen: dieses in seinen Gefäßen sammeln, jenes aber wegwerfen. Wir sahen schon, das Jesus auf die Frage nach den Vorbedingungen des ewigen Lebens nur jene sechs Gebote nannte, die rein menschlich-ethische Prinzipien enthalten, während er die vier anderen, und gerade die ersten der zehn Gebote, die gewisse religiöse und zeremonielle Forderungen zum Inhalte haben, überhaupt nicht erwähnt0). Nicht ohne Grund schreibt man Jesus jenen (außerkanonischen) Satz zu, den er zu einem Entweiher des Sabbats geäußert haben soll: „Wenn

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