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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 210

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Abrahams Zeiten
Date
1930-05-01
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
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210 ME N O RAH gen Sladt abgegrenzten Heiligtums erhob. In jeder bedeutenden Stadt Sumeriens stand solch ein Turm, einem künstlichen Hügel vergleichbar, aus Stein und Asphalt gebaut. Auf der Spitze stand der hochheilige Schrein mit der Statue der Schutzgottheit. Das berühmteste dieser Ziggurat war das von Babylon, der ..Turm zu Babel", nach seinen spärlichen Ruinen zu schließen ein größeres Ebenbild des gut erhaltenen Ziggurat von Ur. Der Turm maß an der Basis ungefähr sechzig zu fünfundvierzig Meter und war über zwanzig Meter hoch. Er war in Stufen gebaut, von denen jede mit der nächsten durch Treppen verbunden war. Auf drei Seiten aber blieben die schiefen Wände glatt, nur durch Hache Zinnen unterbrochen. An der Stufenseite liefen drei große Treppen von je hundert Stufen hinauf; sie vereinigten sich auf der zweiten Plattform unter einem monumentalen Tor; von dort aus lief eine einzige Treppe zum Heiligtum hinauf. Die Stiegen waren auf beiden Seiten von hohen Mauern eingesäumt, auf denen Bäume gepflanzt waren. Möglicherweise war dies auch auf den Plattformen der Fall. Der Zweck war wohl, den künstlichen Hügel einem natürlichen möglichst ähnlich zu machen. Symbolische Farbstreifen, entsprechend der Einteilung des Weltalls, kreuzten die vertikalen Linien des Baues und betonten seinen Charakter als den ,,Hügel des Himmels'4, dessen Wurzeln in der Unterwelt sind, während der Gipfel den Himmel, das Haus Gottes darstellt. Es war ein riesiges und höchst eindrucksvolles Gebäude, das wohl in der Erinnerung aller, die unter seinem Schatten gelebt hatten, lange fortdauern mußte. Ist es zu phantastisch anzunehmen, daß Jakobs Traum auf Geschichten zurückgehe, die man ihm erzählt hatte und in denen ihm das Ziggurat von Ur geschildert wurde — wo an den Feiertagen die Priesterprozession auf langen Stufenreihen hinauf in den Himmel stieg? Am Fuße des Ziggurat, und zwar teilweise auf der Terrasse, die es über die andern Gebäude der Stadt erhob, teilweise linterhall), stand der große Tempel des Mondgottes Nannar. Die auf der Terrasse befindliche Gruppe von Gebäuden umfaßte das Heiligtum und die inneren Räume und Kultkammern des Tempels: unterhalb der Terrasse befand sich der riesige Flof mit dem klobigen Tor, das dem Tempeleingang gegenüber lag, und rund herum standen all die Speicher und Wirtschaftsgebäude und Kanzleien, in denen die Geschäfte der Götter erledigt wurden. Hier, so kann man annehmen, wurden all die Steuern und Opfergaben hergebracht, Rinder und Schafe und Ziegen, Korn und Datteln, saure Milch und Käse; die Städter brachten StolTe und Kupfer und schön gearbeitete Gefäße und Silber und Gold; und alles

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