Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Das Wunder
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 184 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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184 MENORAH dert, erinnerte sich aber mit einemmal, daß dieser Besuch lange dauern werde, und daß es höchste Zeit sei, den Gänserich zu Schoppen, der gemästet wurde und schön zunahm, Sie bat den Bräutigam, einen Augenblick zu warten, sie wolle nur den Gänserich — und schon war sie aus dem Laden verschwunden, den überraschten Bräutigam allein zurücklassend. Der Gänserich war schnell geschoppt, und sie dachte an den Bräutigam; als sie über den Hof zurückging, vernahm sie vor der Tür ein lautes Gespräch. Draußen stand die Vojtisek mit der Holaj; die beiden debattierten erregt und gestikulierten dabei so heftig, daß sie einander beinahe die Nasen abschlugen. Die Großmutter guckte nur heraus, um zu erfahren, was los sei, blieb aber wie angenagelt stehen, als sie vernahm, daß der Wenda Sebesta die Betka Skorpil heiraten werde. Er werde, nein, er müsse sie heiraten — „wohlverstanden, er muß!tc Es dauerte natürlich eine Weile, bevor die Großmutter erfahren hatte, Avas der alte und die alte Sebesta, der alte und die alte Skorpil zu der Bescherung sagten; dann erinnerte sich die Großmutter erst an den verlassenen Bräutigam im Laden. Ohne Adieu zu sagen, schlug sie das Tor zu und stürzte wie besessen in den Laden zurück. Der wrar leer und der Bräutigam war fort! Anscheinend war seine Liebe nicht stark genug, um die Prüfung dieses langen Wartens auszuhalten. Die Großmutter wäre vor Schreck fast umgefallen. Was wird die Pepperl dazu sagen? Und was wird der Großvater anstellen? Es blieb ihr eine einzige Hoffnung. Der Bräutigam mußte die Überfuhr passieren; wenn er dort warten mußte . . . sie drehte eilig den Schlüssel im Schlüsselloch und flog schon wie der Wind zur Überfuhr. Noch nie im Leben hatte sie so innig gebetet wie auf diesem Weg. Sie betete, daß Gott sich erbarme, daß der Bräutigam bei der Überfuhr warten müsse, bis sie ihn dort erwische. Sie wußte, daß, wenn er einmal über dem Wasser war und sie ihn nicht erreicht hatte, alles zu Ende war. Atemlos langte sie bei der Überfuhr an. Gott sei Lob! Der Bräutigam wartete. Schon näherte sich das Boot dem Ufer, schon war der Bräutigam mit einem Fuß im Boot, als ihn die Großmutter von rückwärts am Rockschoß erwischte und zurückriß. Der Bräutigam wankte, drehte sich erschrocken um, beruhigte sich aber gleich, als er die Großmutter erkannte. Und sie ließ ihn nicht mehr locker, führte ihn durchs Dorf zurück, entschuldigte sich, wie es sich ziemte — schob alles auf den Gänserich, bei dem sie habe warten müssen, bis er verdaut hatte —■ und ehe sie zu Hause angelangt waren, hatten sie die Mitgift besprochen, und bald darauf war die Hochzeit. Die Großmutier