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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Das Wunder
Date
1930-03-01
Page
Seite 183 (sequence 5)
Language
German
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D A S WUND E R 183 straft hat, weil ich Ihnen das Mehl ableugnete, Aber mehr waren es nicht als zehn ..." Jetzt griff die Großmutter schweigend in die Tasche, zog einen Gulden heraus, legte ihn zu den zwei Gulden der Reznicek und sprach: ,.Nehmen Sie Ihre zwei Gulden wieder zurück und meinen dritten dazu. Ich hab' damals gut gewußt, daß Sie mir das Mehl ableugneten, wollte aber mit Ihnen nicht streiten, sondern hab' es gleich auf Ihre Rechnung geschrieben. Nur wußte ich damals nicht genau,, ob es zehn oder fünfzehn Pfund waren, habe sicherheitshalber fünfzehn aufgeschrieben, und Sie haben auch fünfzehn Pfund bezahlt. Da ich jetzt sehe, daß Sie ehrlich sind, so bin ich auch ehrlich. Gott soll behüten, daß ich mir einen unrechten Kreuzer lasse." Die Reznicek fing neuerlich zu weinen an, auch die Großmutter wurde von Tränen übermannt. Und der Großvater fand beide weinend, als er, wieder beruhigt, von seinem Spaziergang draußen zurückkam. Er schalt die Reznicek tüchtig, weil sie komme und der Großmutter vorraunze, das könne sie zu Hause tun, er habe gerade genug an einer Jammerpepi. Die Reznicek schlich sachte hinaus und wechselte noch an der Tür einen verständnisinnigen Blick mit der Großmutter. Nachdem sie gegangen war, bekam die Großmutter noch einen Putzer, weil sie den Tratsch der närrischen Alten anhörte und mit ihr heulte. Und als sich die Großmutter verteidigen wollte und versicherte, es habe sich um keinen Tratsch gehandelt, ließ sie der Großvater gar nicht ausreden, sondern erklärte kurz und bündig, daß er sie, die Großmutter, zu gut kenne und wisse, daß sie fähig wäre, eines Tratsches halber das Glück des eigenen Kindes zu verscherzen — sie wisse ja eh' . . . Die Großmutter sagte nichts; sie wußte wohl, wie das mit dem verscherzten Glück der Tochter beinahe wahr geworden wäre, wenn diese Wahrheit auch älter als zwanzig Jahre war. Damals hatte die Pepperl, die letzte ledige Tochter der Großmutter, heiraten sollen. Den Bräutigam hatte der Schames von Vojkowitz beigestellt, der ein sehr geschickter Mensch war und weit und breit die besten Heiraten vermittelte. Der Pepperl hatte er einen braven Mann empfohlen, keinen Schwätzer und Luftikus, deren es so viele gibt. Man wartete tagtäglich, daß er um die Pepperl anhalten werde. Er kam auch wirklich; unglücklicher weise war die Großmutter allein zu Hause. Sie empfing den Bräutigam zuerst im Laden, und er — ein redseliger Mensch — meinte recht umständlich, die Großmutter wisse ohnehin, in welcher Angelegenheit er hier sei. Die Großmutter war im Begriff, eine weitschweifige Antwort zu geben, wie es eine solche Angelegenheit erfor-

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