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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
Date
1930-03-01
Page
Seite 163 (sequence 11)
Language
German
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CHAJES 163 er einen neuen Typus des jüdischen Politikers dar, der berufen gewesen wäre, zu den höchsten Stufen seiner Aufgabe emporzusteigen. Wie er in seiner Antrittsrede gelobt hatte, läßt er sich von dem Wege, den er einmal für richtig befunden, weder durch Drohungen, noch durch Bitten abbringen. Denn auch an Drohungen fehlt es nicht. In den ersten Monaten seiner Amtstätigkeit in Wien erwägt man die Idee, ihn zu maßregeln. Kaum wird aber die Sache ruchbar, nimmt das Volk eine derart drohende Haltung ein, daß es mit dem Mute der Herren plötzlich zu Ende ist. Dann vollzieht sich in wenigen Jahren ein Phänomen. Der radikale Zionist und Gegner der Assimilation, der kein Jota von seiner Überzeugung aufgibt, wird kraft der Reinheit seines Wollens, seiner moralisch unantastbaren, hochstehenden Persönlichkeit, seiner an die Propheten gemahnenden Revolutionsgestalt ein versöhnungbringender Mittler in der Gemeinde, der es versteht, mit der Zeit auch den schärfsten Gegnern Achtung abzugewinnen. 1925 geht das Gerücht um, Chajes verlasse Wien, um einer Berufung an die Jerusalemer Universität zu folgen. Die Nachricht wirkt wie eine Bombe in der österreichischen Juden schaff und man denkt mit Entsetzen daran, den Meister fürderhin entbehren zu müssen. Viele begreifen jetzt erst, daß seine Größe nicht von lokalem Format sei, jetzt erst werden sie der Größe seiner Führergestalt gewahr, mit der prophetischen Kämpferseele und den reinen Händen. Um die Jugend dem Judentum zu erhalten, schafft er um den Preis großer Opfer das jüdische Schulwerk, darinnen die Seele der Kinder geformt werden soll. Er selbst lehrt an der Schule für hebräische Lehrer. Nicht, weil die Schule seines Unterrichtes bedürfe, nein — meint er — er selbst brauche die Schule. In Wien, dieser einzigen jüdischen Gemeinde Europas, die ohne eigene Schulen dasteht, ruft seine Bemühung, ein jüdisches Schulwerk ins Leben zu rufen, befremdendes Kopf schütteln hervor. Manche erblicken in der jüdischen Schule die Rückkehr ins Ghetto, Chajes erscheint hingegen die jüdisch erzogene Jugend als Unterpfand für das Weiterbestehen des jüdischen Volkes. Und wer, wie er, kann die Bedeutung der hebräischen Sprache, der eigenen jüdischen Schule für die Erziehung einer aufrechten Generation ermessen? Die Jugend jubelt ihm zu, sie fühlt, Chajes sei ihr Führer. v^hajes ist eine Synthese von zwei Welten: Ost und West verbinden sich in ihm zu einer harmonischen Ganzheit. Eine stupende

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