Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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C H A J E S 161 danken den Weg in der Welt zu bahnen, das zu tun, was der Prophet im sechsten vorchristlichen Jahrhundert im neunzehnten Kapitel des Jesajas gewünscht hat, daß nämlich das Judentum die Mittlerrolle habe, die Brücke baue zwischen den verschiedenen Kulturen und durch seine Geistigkeit ein Segen werde für die ganze Menschheit." Aber nicht nur als Mittler, auch als schöpferischer Geist solle sich Israel in seinem Lande bewähren. Außer den Ideen von dem Frieden und dem Bunde der Völker habe das Judentum schon im Altertum drei Gedanken entscheidendster Art der Menschheit gegeben, „Gedanken, die in keinem Volk, bei keinem Denker Vorgänger gefunden, sondern ureigenste Schöpfung des Judentums sind". An erster Stelle erscheine der Gedanke von der Körperlosigkeit Gottes, die die erhabenste Form des Monotheismus darstellt. Ihm reiht sich der Messianismus an, das Endstadium eines absoluten ethischen Menschentums; und der Prophetismus, der Glaube an die Menschheit. Aber die letzten zwei Gedanken gehen in ihrem Grundwesen auf den ersten zurück, auf den Muttergedanken, auf den Gedanken des körperlosen, unsichtbaren, nicht erfaßbaren Gottes. Neben diesen Ideen macht ein Gedanke sein Herz höher schlagen: der Drang des Juden nach sozialer Gerechtigkeit, der dem ganzen jüdischen Schrifttum sein Gepräge verleiht. Im Gegensatz zu manchem modischen jüdischen Denker verhält er sich kühl und nüchtern dem Gründer des Christentums und seinen Lehren gegenüber, mit dem sich auch seine Doktorarbeit beschäftigt. „So oft ich die Propheten Jesaja und Micha lese" — sagt er in einer Ansprache — „werde ich immer wieder erschüttert, wenn ich hingegen die Evangelien zur Hand nehme, bleibt meine Seele unberührt." Ghajes, der leibliche und geistige Nachkomme der Propheten vermißt in Jesus das Unbedingte, das Absolute, die Klarheit und Unabänderlichkeit des Wollens, die Ablehnung des Kompromisses. Seine vom Historischen und Prophetischen getragene Seele nimmt keine Abschlagszahlung auf Ideale entgegen. _A-uch in Wien begnügte er sich niemals mit der Synagoge, in der er erklärte, weder Priester noch Seelsorger, sondern ein Führer und Lehrer seines Volkes sein zu wollen. Und so sprach er zum Volke überall, wo er es erreichen konnte. Nicht nur in Wien und Österreich, weit über die Grenzen hinaus unternahm er lange und mühsame Reisen, wenn sich ihm Gelegenheit bot, zu seinen Brüdern zu sprechen und sie aufzurütteln. Inmitten dieser hingebungsvollen Arbeit erinnert seine Gestalt an Rabbi Akiba, der — als Erez Jisrael von Rom unter-