Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 160 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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160 MENORAH liehe Pflicht und eine von den Vätern überkommene Erbschaft sei, nur von einem gesunden, starken Volke, das auf der heimatlichen Scholle siedle und dort seine Eigenart in Freiheit entfalte, erfüllt werden könne. Bei den Reformern ist die Voraussetzung für die Verwirklichung der Mission der Verzicht auf Palästina und das ewige Verbleiben in der Diaspora, bei Chajes kann die Erfüllung der Mission nur aus dem Lande Israel ausgehen. Er ist zutiefst überzeugt, daß das jüdische Volk die heilige Pflicht habe, das Werk der Propheten fortzusetzen und daß dieses Volk der Welt noch etwas zu sagen habe. „Der jüdische Gedanke soll die Brücke bauen, die von einer Kultur zur andern führt." Die Souveränität in der alten Heimat sei erforderlich, um der (jüdischen Kultur den ihr gebührenden Platz und das Ansehen in der Welt zu sichern. Denn Israel werde erst Gehör finden, wenn es wieder vom Berge Zion seine Stimme ertönen lasse. Einem umherirrenden, heimatlosen Volke schenke man keine Achtung. Denn die Liebe zur Menschheit bedeutet für ihn keine Auflösung, keinen Verzicht auf das eigene Ich, im Gegenteil: nur durch die Bewahrung, Behauptung und Entwicklung der Eigenart könne das jüdische Volk der Menschheit dienen. Wie ein bunter Garten Gottes erscheint ihm die Menschheit, übersät von zahllosen, in den verschiedensten Farben prangenden Blumen. Eine der schönsten Blüten in diesem Garten sei das jüdische Volk. Es liege uns daher ob, das Judentum zu bewahren, auch um der Menschheit willen, zu der der Jude nur über das Judentum gelangen könne. Als weiteres Glied dieser Gedankenkette erscheint Chajes die Frage der religiösen Propaganda. „Wenn sich in Palästina" — sagt er in einer Ansprache an die Jugend—„ein großes jüdisches Zentrum bildet, .. . eine Möglichkeit für den jüdischen Geist, sich nach den Gesetzen seines Genius zu entwickeln, die Möglichkeit für das Judentum, die Versprechungen zu erfüllen, die es zur babylonischen Zeit gegeben hat und die damals zur Erfüllung nicht reif waren, wenn sich also dieses geistige Zentrum in Palästina bildet, wie werden wir uns dann zur Frage der religiösen Propaganda stellen?" Und er erleilt sogleich die Antwort, indem er den Sinn der jüdischen Geschichte erfaßt: „Ich glaube, unsere Stellung wird die sein müssen, die das alte Judentum von der prophetischen Zeit an immer eingenommen hat, nämlich nicht der Wunsch, irgendwie Proselyten zu machen, nicht der Wunsch, Heiden oder Christen oder Mohammedaner zum Judentum zu bekehren und sie zu veranlassen, im Judentum aufzugehen, immerhin aber das Bedürfnis und der Wunsch, dem jüdischen Ge-