Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912903-2924936--08894-2925083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
C Ii A J E S 159 die-'Bibel, wenn es keine Juden gäbe." Und nun legt es Chajes der Jugend ans Herz: „Ein ganzer Jude kann man nur sein, wenn man mit der Bibel lebt, die Bibel kennt, nicht nur wie der Nichtjude sie kennt, sondern wie einzig und allein nur der Jude sie kennen kann und sie kennen muß wie etwas, was Fleisch von unserem Fleische und Bllit von unserem Blute ist." Aber wohlgemerkt, die Bibel in der Urspra :he und nicht in Übersetzung, denn ,,es ist eine papierne Wan| die' zwischen dem Original und der Ubersetzung steht, aber di(j^e|| lapicrenc Wand ist undurchdringlicher, als manche eherne Mauel»! Und damit ist auch sein Weg zur hebräischen Sprache vorgezefcjuffi| Ihre Auferstehung bedeutet keine Phrase für ihn, sondern ejrlE>lÄle Wirklichkeit, die er als das größte Wunder der Kulturges^tweffle der Menschheit zu feiern wiederholt Gelegenheit nimmt. Zii ^(|lüJh ersten Talen in Wien gehört denn auch die Schaffung eines Wefk'^SÄgclas moderne hebräische Lehrer heranbilden soll. SeiiVr Liebe zum jüdischen Volke und seinem Lande haftet aber nichts Chauvinistisches an, im Gegenteil: sie ist aufs engste verknüpft mit dem Schicksal der Menschheit. Und wenn er darüber spricht, tritt seine ganze Persönlichkeit plastisch in die Erscheinung. Die Zehn Gebote seien für die ganze Menschheit bestimmt gewesen und die Propheten haben die ganze Menschheit erlösen wollen. Er ist ungemein stolz darauf, daß die Juden das einzige Volk der Antike waren, die zu ihren Nachbarvölkern ein Verhältnis hatten. Während alle anderen Nationen des Altertums die übrigen Völkerschaften als Feinde und Barbaren betrachteten und sie zu unterjochen suchten, sannen die Seher Israels darüber nach, wie das drohende Schicksal von Babylon, Assyrien und Ägypten abgewendet werden könnte. Alle Völker sollen nach dem Berge des Herrn wallfahrten und, wie es im Gebete am Neujahrstage heißt, sich zu einem Bunde zusammenschließen. Die Idee des Völkerfriedens sei das erste Mal in der jüdischen Bibel ausgesprochen, ebenso der Gedanke des Völkerbundes, den Chajes mit übervollem und stolzem Herzen als die Verwirklichung des altjüdischen Ideals begrüßt. In engster Verflochtenheit mit seiner Konzeption von Palästina, Judentum und Menschheit steht die Missionsidee, für die er mit ganzer Seele eintritt. Aber im. Gegensatz zu manchen Reformrabbinern, die die Verbannung als Glück und Sendung auffassen und das jüdische Volk für alle Ewigkeit an die Diaspora gebannt wissen wollen, betont Chajes, daß die Mission des Judentums, die eine sitt-