Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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158 MENORAH Seele und wird zur Trägerin aller seiner Gedanken. Er will Israel wieder auf eigener Scholle sehen, die eigene Art pflegend, von allen geachtet, ein „Licht der Völker". Und so ist seine größte Sorge die Erhaltung des Volkes, die Sicherung seiner Zukunft durch die Jugend. Wie in so manchem alten Liede die Strophen mit demselben Refrain schließen, so klingen alle seine Ansprachen immer wieder in der Liebe zur alten Heimat aus. Palästina ist der zentrale Gedanke, um den sich die ganze Ideenwelt und die Zukunft des Judentums gruppiert. Selbst die in der Diaspora verbleibende Judenheit habe eine wichtige Aufgabe im Dienste des Landes Israel zu erfüllen: sie soll die geistige Mittlerin zwischen der jüdischen Nation in der Heimat und der Kultur der Menschheit werden. Die rechtliche Grundlage für die Errichtung des jüdischen Nationalheimes in Palästina, die Anerkennung des historischen Rechtes der Judenheit auf das Land, sei das einzige Ergebnis des Weltkrieges, auf die die Menschheit stolz sein könne. Er hält es mit Jehuda Halevi, daß das Land Israel das Herz Israels bilde. Und so spricht er allsabbatlich ein Gebet, worin er den Allmächtigen bittet, dem ganzen jüdischen Volke, der Arbeit im Lande der Väter und den Männern, die die neuen Wege Israels ebnen, seinen Segen zu verleihen. Neben Palästina gehört sein Herz dem kostbarsten Schatz des jüdischen Volkes, der Bibel. Er betrachtet sie nicht mit dem materialistisch-sezierenden Blicke des Kritikers, auch nicht mit den Augen der Reformrabbiner des Westens, die das Buch der Bücher immer wieder in Gegensatz brachten zum talmudischen Schrifttum und, um dies zu dokumentieren, das Wort vom „mosaischen Glauben" prägten. Nein, für ihn ist die Bibel die „lebendige Gegenwart, es ist dies das Lebendigste, das Gegenwärtigste in uns". Denn ,,ein Verhältnis, wie jenes des jüdischen Volkes zu seiner Bibel, gibt es zum zweitenmal nicht. So paradox es klingen mag, man kann sagen, das Göttliche in uns hat die Bibel geboren und die Bibel ihrerseits hat das jüdische Volk geboren. Dieses ganz einzigartige Bewußtsein (ein mittelalterlicher Mystiker prägt dafür das Wort: ,Das Göttliche, das jüdische Volk und die Bibel bilden eine untrennbare Einheit*) bringt es mit sich, daß wir zu den Zuständen und zu den Menschen der Bibel eigentlich nicht das Gefühl der Distanz haben". Und vergebens haben die anderen Völker die Bibel in alle Sprachen der Welt übersetzt und allen Völkern der Welt zugänglich gemacht, sie bleiben doch die Fremden. ,,Und wenn es wahr ist, daß wir durch die Bibel leben, dann ist es aber auch wahr, daß die Bibel nur durch uns lebt.. . . Und ein totes Buch wäre