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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Der Mann mit dem feurigen Herzen: Chajes
Date
1930-03-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 MENORAH in seiner Antrittsrede — „bin ich zu euch gekommen, ihm zu dienen mit meinem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele, mit meinem ganzen Vermögen. Doch sonst bin ich keines Menschen Diener. Mein Eigenstes, mein Höchstes, mein Tiefstes und Persönlichstes, mein Gewissen kennt keinen anderen Herrn als die göttliche Stimme, die ich in mir vernehme. Nicht um ein Amt auszufüllen, siehe ich hier, sondern um eine Mission zu erfüllen. Wer mir meine geistige Freiheit, meine Unabhängigkeit nimmt, der macht mich zu einem unbrauchbaren Werkzeug. Wer aber meint, durch Drohungen oder Lockungen, durch Schmähungen oder Versprechungen mich von dem Wege abziehen zu können, den ich gehen muß, mich den Überzeugungen entfremden zu können, die ich in jahrzehntelangem Ringen mir erkämpft, der wird auf Granit beißen.....Teder Schlag meines Herzens, jeder Teil meiner Kraft, jede Frucht meines Geistes, jeder Tag meines Lebens soll uneingeschränkt gehören dem Judenlum und seiner geschichtlichen Aufgabe, dem Befreiungswerke der Menschheit! Der Hort und Hüter Israels verleihe mir Kraft und Segen." Das ist der erste Auftakt. Dann geht es weiter Schritt auf Schritt. In allen Ansprachen verkündet er mit flammenden Worten, jede Phrase vermeidend, in stolzem Bekenntnis zum jüdischen Volke, den an dessen ruhmvolle Vergangenheit anknüpfenden und eine trostreiche glänzende Zukunft verheißenden neuen, revolutionären Freiheitsgedanken. Sein Idealismus, sein unbeugsamer Geist, sein mannhaftes Auftreten reißt die Juden mit sich, das Volk, das, wie nie zuvor, das Gefühl hat, daß der neue Mann zu ihm gehöre, vergöttert ihn und stürmt die Säle, sei es Synagoge oder Versammlungshaus, wenn der Meister sprechen soll, so daß gar oft die Wache einzuschreiten bemüßigt ist. Und es zeigt sich ein Bild, daß das Volk nicht müde wird, ein Jahrzehnt hindurch zu bieten: man steigt die alte, schmale Seitenstettengasse, die die Synagoge beherbergt, hinan und befindet sich unversehens in einer schier unüberblickbaren Menschenmenge. Da stellt man Schlange, genau so wie vor den Lebensmittelläden zur Zeit großer Not, nur hat man aber hier nur geistige Kost zu gewTärtigen. Heute soll Chajes sprechen! ,,Chajes!" Man hört in der Menge überhaupt nur diesen Namen, ein Zauberwort. Menschen verschiedenster sozialer Stellung, verschiedensten Alters und verschiedenster Herkunft sind hier versammelt und alles spricht nur von ihm, von seinem unerschrockenen Eintreten für die Sache, seinen Ansprachen, seinen tatkräftigen Aktionen. Plötzlich tut sich das Tor auf und die Menge

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