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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1930-03-01
Page
Seite 137 (sequence 11)
Language
German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 137 frage an die Mitglieder ergehen, wie sie sich zu einem Streik verhielten. Das Referendum ergab eine überwältigende Majorität für den Streik, wobei sich zeigte, daß die Mitgliedschaft der United fünftausend war. Als die Streikparole ausgegeben wurde, folgten zehnmal soviel Arbeiter dem Rufe. Der Streik weckte das Interesse der Öffentlichkeit in hohem Maße und zeigte die Schneider als sehr beherzte und entschlossene Leute, die jeden Kompromißvorschlag entschieden ablehnten. Der Vorsitzende der United aber versprach den Arbeitgebern, ohne ein Referendum darüber zu verlangen, daß er sich einem Schiedsgericht unterwerfe. Somit erklärte er den Streik für beendet. Ein Teil der Arbeiter weigerte sich zwar, in die Werkstätten zurückzukehren, bevor das Schiedsgericht gesprochen habe, aber immerhin war die Wirkung des Streiks abgeschwächt. Wohl machte das Schiedsgericht den Leuten beträchtliche Konzessionen, aber es wurde nichts für künftige Konflikte vorgesehen. Die Streikenden waren in höchstem Grade erbittert über das Vorgehen der United, das sie einen ,,Verrat" nannten. Diese Erbitterung nährte die ohnehin starke Unzufriedenheit, die überall in der Bekleidungsindustrie herrschte, und es wurde in der jüdischen Presse wie auch von Mann zu Mann unter den jüdischen Arbeitern aller Zentren dafür Propaganda gemacht, bei den Wahlen für den kommenden Kongreß den Vorstand der United mit Arbeitern zu besetzen. In der nun folgenden Polemik gab es erbitterte Vorwürfe von beiden Seiten. Die radikalen Arbeiter beschuldigten die Beamten der Gewerkschaft, die Etikette derselben für ihre eigenen Zwecke mißbraucht, sich im Geheimen mit den Arbeitgebern gegen die Arbeitnehmer verbündet, verlogene Anschuldigungen gegen radikal eingestellte Sektionen vorgebracht zu haben, um diesen das Wahlrecht zu rauben. Auch wurde behauptet, daß es ein Schachzug des Vorstandes sei, den Kongreß in dem fernen Nashville in Tennessee (im Süden) angesetzt zu haben, zu dem Zwecke, daß die Sektionen der großen nördlichen Städte keine Delegierten hinsenden konnten, weil die Reise zu kostspielig war. Der Vorstand seinerseits beschuldigte die Opposition, sich mit selbstsüchtigen Intellektuellen, mit Außenseitern eingelassen zu haben; ferner des Kapitalschlagens aus dem Rassenvorurteil und des Bestrebens nach ausschließlicher Kontrolle durch die Juden; schließlich wurde noch behauptet, daß sie eine Konkurrenzgewerkschaft anstrebten und zu diesem Zwecke Kopfsteuern zurückbehielten, die von rechts wegen der Gewerkschaftskasse der United gehörten. Im Oktober 1914 trat der Kongreß in Nashville zusammen. Wie

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