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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1930-03-01
Page
Seite 132 (sequence 6)
Language
German
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132 MENORAH Herausgabe eines Blattes, „New Post", das dreisprachig erschien (Jüdisch, Italienisch und Englisch) und fast ausschließlich der Streikpropaganda gewidmet war. Man sandte Gruppen von zwei und drei Agitatoren in die Fabriken. Im April 1910 hatte der Gedanke Wurzel geschlagen, und von da ab verbreitete er sich mit unheimlicher Schnelligkeit. Viele Arbeiter traten der Union im Hinblick auf das erwartete gro3e Ereignis bei. Die Langsamkeit und Vorsicht der Führer machte sie ungeduldig, aber diese wußten wohl, was sie taten. Sie konnten einen Mißerfolg nicht riskieren. Sie beschallten sich von ihrer Konvention die Erlaubnis für den Streik. Sie bereiteten jede einzelne Phase des Kampfes aufs Sorgfälligste vor — Streikposten, Presse, Mieten geeigneter Lokale, finanzielle Aufsicht, mögliche gerichtliche Schritte, die Bestimmung des geeigneten Zeitpunktes. Sie erbaten und erlangten von der American Federation of Labour (Arbeiterföderation) das Versprechen, sie für die Dauer des Streiks zu unterstützen. Nie noch war ein Streik dermaßen gründlich vorbereitet worden. Den Führern aber war das noch nicht genug. Um den Geist der Arbeiter genau zu erproben, bevor sie endgültig ein Datum für den Streik ansetzten, hielten sie am 28. Juni ein Massenmeeting ab, und zwar in einem ungeheuren Saale (Madison Square Garden), der noch nie für Zwecke der Arbeiterbewegung gemietet worden war. Er war auch außerordentlich kostspielig. Wenn die Halle nicht gut besucht war, bedeutete das in den Augen der Welt ein Fiasko und war somit eine Gefahr. Statt dessen aber sah der Abend des 28. „den größten Zustrom von Arbeitern, den die Industrie je erlebt hatte". Der riesige Saal war gesteckt voll, es gab Versammlungen in allen benachbarten Straßen. Die Redner wurden an allen Enden und Ecken gebraucht. Von dieser hinreißenden Begeisterung ließen sich die Führer überzeugen, und mit größter Zuversicht wurde die Parole zum Streik gegeben. Die Einzelheiten wurden streng geheim gehalten. Als der schicksalsschwere Tag gekommen war, brachte das Blatt der Arbeiter in einer Extraausgabe die Aufforderung, die Arbeit um zwei Uhr niederzulegen. Das war eine atemlos gespannte Stimmung an jenem Tage! Aber alles ging gut, um halb drei schon waren die Straßen dermaßen von den Streikenden erfüllt, daß vielfach die Tramway nicht verkehren konnte, und zu Ende der Woche waren sämtliche Werkstätten verödet. Es war ein ganzes Volk, das gegen seine Bedrücker aufgestanden war. Wohl hatten die Streikenden schwer zu leiden, wie in allen Kämpfen der jüdischen Bekleidungsindustrie, aber sie blieben fest.

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