Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 131 günstigen Einfluß. Der Lieferant war wohl ins Hintertreffen geraten, aber das beseitigte die Schwitzbude nicht, im Gegenteil. Denn der kleine Unternehmer führte ein neues System ein; das der Sublieferungen. Es ging so zu: der Unternehmer nahm einen oder mehrere Arbeiter für ein spezielles Gebiet auf, und dieser war für die Leistungen auf diesem Gebiete verantwortlich. Nun hielten sich diese Bügler, Zuschneider, Hefter usw. wieder Unterbügler, Unterzuschneider, Unterhefter, diese nahmen wieder Hilfskräfte und selbst diese Hilfskräfte hielten sich wieder Arbeiter. Jedes dieser Glieder in der Kette lud natürlich dem nächsten soviel auf als nur irgend möglich, und zahlte so wenig als nur irgend möglich. Wie es in den untersten Schichten dieser Pyramide aussah, kann man sich wohl vorstellen; aber die Industrie selbst blühte. Bald konnte man hören, daß New York die billigsten Kleider der Welt produziere, und daß Amerika die bestgekleidete Nation der Welt sei, dank der jüdischen Nadel. Technische Veränderungen hatten auch das ihrige dazu beigetragen, das Los der Arbeiter zu erschweren. Das Gesetz hatte die Werkstätten aus den Wohnungen verbannt. Die leichtere Nähmaschine wurde erfunden. Elektrischer Strom verdrängte den Fußbetrieb. Neue Zuschneide- und Bügelmaschinen wurden eingeführt. All das bedeutete Erschwerung statt Erleichterung für den Arbeiter. Denn nun mußten sie meist ihr Arbeitsgerät selbst anschaffen. Zur Zeit des großen Aufruhrs besaßen, so schätzt man, etwa die Hälfte aller Arbeiter ihr eigenes Gerät. Man sah beständig, wie sie ihre Maschinen aus einer Werkstätte in die andere transportierten. Viele hatten ihren fixen Dienstmann für diesen Zweck. Und in den Werkstätten, in denen die Maschine elektrisch betrieben wurde, zahlten die Arbeiter dem Unternehmer für den Strom! Als diese Mißbräuche überhandnahmen, begann die Agitation für einen Generalstreik. Im Gegensatz zu dem Streik der Zwanzigtausend, der spontan erfolgt war, stellte dieser Streik den bis dahin am besten vorbereiteten Kampf zwischen Arbeit und Unternehmer vor; er umfaßte 60.000 Arbeiter in der Mantel- und Kostümschneiderei. Die vereinigten Komitees der Mantelmacher und der Rockschneidergewerkschaft bemühten sich mit Erfolg, den Gedanken im Publikum populär zu machen, und die Jüdische Presse, die United Hebrew Trades (Vereinigte Jüdische Gewerbetreibende) und der Arbeiterverein" unterstützten sie nach Kräften. Der Erfolg des Streiks der Zwanzigtausend und che Wiedereroberung der Industrie im Jahre 1909 förderten die Bewegung. Die Union begann mit der