Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 117 (sequence 11)
- Language
- German
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DIE GEOPOLITISCHE BEDEUTUNG PALÄSTINAS 117 zieht und diese in wahhabilischem Besitz läßt, eine strategische Seit wache. Denn Dschof, das eine geeignete Basis für Truppenkonzentrationen darstellt, kann eine starke Bedrohung für den transjordanischen Korridor bedeuten. Zudem wäre der Besitz dieses Punktes den Engländern nicht nur aus dem erwähnten strategischen Grunde, sondern auch verkehrspolitisch sehr wertvoll. Schließlich bilden die expansiven Tendenzen des Wahhabitismus und die nomadisierenden Gewohnheiten der Wüstenaraber, die durch die Grenzsetzungen in ihrer Bewegungsfreiheit beeinträchtigt wurden, vorläufig eine gewisse Gefahr für die Sicherheit der englischen Landbrücke durch Arabien. Aber das sind sekundäre Probleme und Schwierigkeiten, die dem grundsätzlichen großen Gewinn, den England mit der Kontrolle der Land brücke einstrich, nicht wesentlich beeinträchtigen. Den Ausbau der mit -der Erwerbung Palästinas, Iraks und des Iransjordanischen Korridors gebotenen Möglichkeiten — oder eigentlich: die Organisierung des Verbindungssystems, dessentwegen England seine Hand auf diese Gebiete gelegt hatte — : die Erschließung also der Land- und Luftwege durch die Wüste, die noch vor nicht sehr langer Zeit undurchdringlich und unbeherrschbar schien, heute aber durch Flugzeuge ziemlich leicht kontrollierbar geworden ist, nahm England rasch in Angriff. Die durch Palästina führende große Eisenbahnlinie Skutari—Kairo, die den Anschluß an den Orient-Expreß Calais—Konstantinopel bildet und über deren noch fehlende 350 Kilmeter lange Zwischenstrecke Tripoli—Beiruth—Haifa lange ein Einvernehmen zwischen England und Frankreich nicht erzielt werden konnte, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Ebensowenig die Hedschasbahn, deren Besitz und Betrieb mehrfach Gegenstand von Verhandlungen zwischen England, Frankreich und Ibn Saud gewesen ist. Es handelt sich vielmehr um den transarabischen Automobildienst, den Flugdienst, die Eisenbahnverbindung Bagdad—Haifa, die Ölleitung Irak—Palästina und den Ausbau des Haifa-Hafens. Der Automobildienst, der schon vor der Einbeziehung des Korridors in das transjordanische Mandatsgebiet ziemlich unregelmäßig und provisorisch unterhalten wurde, wird jetzt mit Subventionen der irakischen Regierung von der Nairn Eastern Transport Co. betrieben. Die Linie verläuft über die befestigte Oase Rutbah; ein regelmäßiger Patrouillendicnst durch Kamelreiter garantiert dem Verkehr eine zunehmende Sicherheit; Flngzeuggeschwader und Panzerwagen bedeuten weitere wirksame Abwehrmittel, die Überfälle und Angriffe zu nicht gerade ganz ungefährlichen Unternehmungen für die Beduinen ge-