Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 115 (sequence 9)
- Language
- German
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DIE GEOPOLITISCHE BEDEUTUNG PALÄSTINAS 115 licherweise auch damit rechnete, diese Föderation werde genug Zentripetalkraft aufbringen, um sich unter Verdrängung der Franzosen aus Syrien, der Juden aus Palästina auch diese Gebiete anzugliedern. Husseins Widerspenstigkeit, seine Weigerung, sich unter Verzicht auf sein panarabisches Projekt mit den Gegebenheiten abzufinden und sich englischer Bevormundung zu unterwerfen, sowie sein Paktieren mit Rußland durchkreuzten endgültig diese Politik. Inzwischen hatte in Versailles die Annahme und Realisierung der Mandatsidee das Mittel zur Befriedigung der verschiedenen Wünsche und Ansprüche geboten. Aber dies Kompromiß zwischen Annexionismus und Wilsonismus, das eine Lösung all der während des Krieges eingegangenen Verpflichtungen, eine Synthese all der gegensätzlichen Forderungen zu bringen schien, bedeutete letzten Endes einen vollen Sieg der Großmächte, besonders Englands, und die Erfüllung ihrer imperialistischen Bedürfnisse: das Mandat enthüllte sich als eine neue Form imperialistischer Politik. Es ist hier nichts über die rechtliche Natur der Mandate zu sagen, und es wird nicht übersehen, daß sich theoretisch manches gegen den letzten Satz anführen ließe. Aber praktisch brachte die Schaffung der Mandate und die Übertragung der Mandatsgebiete Irak und Palästina—Transjordanien an England diesem die Erfüllung einer Forderung, die sich seit der Besitznahme Indiens und Ägyptens der englischen Politik immer zwingender aufgedrängt und ihre schlagwortmäßige Formulierung längst in der Curzonschen Parole „Kairo—Kalkutta" gefunden hatte. Der Seeweg sowohl ums Kap als auch durch den Suezkanal war in der Zeit zunehmender Entwicklung der Verkehrsmittel und in der Zeit, in der die englische Herrschaft in Indien nicht mehr ganz gesichert zu sein schien — man denke an den Warnruf Carthills in seinem Buch „Lost Dominion" ■—, nicht mehr der schnellste und sicherste Verbindungsweg — und auf diesen kam es im Falle der Gefahr an — zwischen den Teilen des Imperiums. Und wieder, wie vor Jahrhunderten, hatte die Landbrücke zwischen Asien und Afrika und ihr Knotenpunkt Palästina ihre Bedeutung zurückgewonnen. Und als einen seiner wichtigsten Kriegsgewinne konnte England den Gewinn dieses Gebietes, das ihm als Mandatar übertragen wurde, buchen. Vielleicht, könnte man meinen, ein problematischer Gewinn, denn das Mandat gibt nicht nur Rechte, es auferlegt auch Pflichten, es scheint letzten Endes ein zeitlich begrenzter Besitz, ist zudem mit dem Zionismus belastet und untersteht der Aufsicht des Völkerbundes. Sicherlich sind damit dem freien Schalten und Walten der englischen