Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 113 (sequence 7)
- Language
- German
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DIE GEOPOLITISCIIE BEDEUTUNG PALÄSTINAS 113 Tendenz dahin strebte, mit Hilfe Husseins und seiner großa rabischen Velleitäten ein sieh vom Mittel- und Roten Meer zum Persischen Golf erstreckendes arabisches Reich zu schatten, dessen Kontrolle den Engländern mindestens die Etappe Kairo—Bagdad gesichert hätte. Aber die Durchführung einer solchen Idee seheiterte an den Kriegszielen Wilsons, mit denen sich Annexion oder Protektorat nicht vereinbaren ließ; an dem durch die Balfour-Deklaration von 2. November 1917 gegebenen Versprechen der englischen Regierung, die zionistischen Absichten in Palästina zu fördern; und schließlich an der politischen Unfähigkeit und Eigenwilligkeit Husseins, der blind seinen panarabischen Idealen nachjagte und sich gegen alle Konzessionen und Abstriche von seinem Programm verzweifelt wehrte. Dadurch ergaben sich für die britische Middle-East-Politik in den Versailler Friedensverhandlungen neue Voraussetzungen und Gesichtspunkte. Die Gefahren, die dem britischen Imperium, Indien, Ägypten und der Verbindung zwischen ihnen, dem Suezkanal, während des Krieges von Mesopotamien und Palästina aus gedroht hatten, waren eine bittere Lehre für die Londoner Regierung. Für sie war es eine vitale Notwendigkeit geworden, die Brückenköpfe Palästina und Mesopotamien in ihre Hand zu bekommen und die Gebiete beiderseits des Suezkanals zu kontrollieren. Darüber hinaus aber war es bei der zunehmenden Bedeutung der Eisenbahnen und dem Aufschwung der neuen Verkehrsmittel, des Automobils und des Flugzeuges, für die der Krieg der Mark- und Prüfstein der Verwendbarkeit gewesen war, naheliegend, bei der Problematik des Kanals, der im Kriegsfalle verhältnismäßig einfach durch Unterseeboote und Minen versperrt und dadurch wertlos gemacht werden konnte, auch die Beherrschung des Landweges zu wünschen und anzustreben. Schließlich spielte auch das Mossul-Öl in diesen Erwägungen eine Rolle. In dem französisch-englischen Abkommen vom Mai 1916, dem nach den beiderseitigen Unterhändlern benannten Sykes-Picot-Abkomnien, hatte England den Mossuldistrikt der französischen Interessensphäre überlassen. Vielleicht war der Hauptgrund dafür, die Franzosen dadurch als Puffer zwischen die nördliche russische und die südliche eigene Interessensphäre zu schieben und damit einem künftigen Konflikt mit Rußland vorzubeugen. Am Ende des Krieges hatte sich aber die Lage geändert; der Zarismus war gestürzt und die russischen Ansprüche auf Teile der türkischen Beute hinfällig, und damit fiel auch die Notwendigkeit fort, dies Mossulgebiet aus politischen Gründen den Franzosen zu überlassen, zumal die wirtschaftliche Bedeutung des Mossul-öls für England nicht von