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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 111

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
Date
1930-03-01
Page
Seite 111 (sequence 5)
Language
German
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DIE GEOPOLITISCHE BEDEUTUNG PALÄSTINAS 111 Mochte man aber im Foreign Office die Curzonsche Formel akzeptieren oder nicht, Palästina und der Weg über Bagdad waren in türkischen Händen. In ziemlich schwachen Händen also; aber so scharf Gladstone und das liberale England die türkische Mißregierung verurteilten und angriffen, so sehr Salisbury und die englischen Konservativen die Unfähigkeit des Sultans geißelten, so wenig konnte oder wollte doch England offen die Zerstückelung des Ottomanischen Reiches fordern oder herbeiführen. Die Rücksicht auf die islamische Bevölkerung Indiens, der eine rigorose Politik gegenüber dem Sultan-Kalifen Anlaß zur Unzufriedenheit gewesen wäre, machte für die Londoner Regierung eine gewisse Türkenfreundlichkeit zur Pflicht, und zudem ließen die sich überschneidenden Interessen der Großmächte in der Türkei und die Gefahr eines Konflikts bei der Teilung der Beute den Versuch zu einer Aufteilung der Türkei als ein recht zweifelhaftes Experiment erscheinen. Wohl entfalteten Englands Agenten eine gelegentlich vermehrte unterirdische Tätigkeit und förderten unter der Hand Unruhen und Unbotmäßigkoiten in den arabischen Teilen der Türkei; aber formell und äußerlich blieb die Integrität der Türkei Axiom der englischen Politik. Ja, England schien sich, obwohl es gelegentlich gedroht hatte, fremde Einflüsse am Persischen Golf nicht zulassen zu wollen, und obwohl es den deutschen Bagdadbahnbau zu durchkreuzen versucht hatte, so sehr mit der Erstarkung der Türkei unter deutschem Einfluß und mit den deutschen Bahnplänen abgefunden zu haben, daß es sich im Frühjahr 1914 mit Deutschland über die beiderseitigen Interessensphären in Mesopotamien verständigte und darüber ein Abkommen traf. England selbst hatte sich ja auch inzwischen an der Erschließung der Türkei durch Eisenbahnen beteiligt und der Bau zweier transarabischer Bahnen unter englischem Einfluß, einer Linie von Suez über die Oase Dschof nach Kueit und einer anderen von dem Hafen El-Lit am Roten Meer über Er-Rhiad, die Hauptstadt Ihn Sauds, nach Qatif am Persischen Golf war in den Kreis der Erwägungen getreten. Und weiterhin hatte der englische Bewässerungsingenieur Sir W. Willcocks 1911 seinen Bericht und seine Pläne für ,,The irrigation of Mesopotamia" an die Öffentlichkeit gebracht. Bei diesem Stand der Dinge brachte der Ausbruch des Weltkrieges mit einem Schlage eine grundlegende Änderung dieser gewissen Passivität der englischen Politik in Vorderasien. Nicht nur für Frankreich hörte die Unantastbarkeit des Ottomanischen Reiches auf ein politisches Dogma zu sein, wie Ende August 1914 der französische Außen-

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