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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
Date
1930-03-01
Page
Seite 110 (sequence 4)
Language
German
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110 MENORAH mißglückten oder nicht durchgeführten Versuch Napoleons entschieden; der Kampf zwischen den beiden Mächten im östlichen Mittelmeer um Ägypten entschied sich erst im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts. Für den Sieger, sei es Frankreich oder England, mußte wie im Altertum für Ägypten und Babylonien, Palästina als Glacis und Teil der Landbrücke oder aber als Ausfallstor nach Indien von vitaler Bedeutung sein. Und so schrieb 1852 der Engländer Hollingworth in seinem Buch ,,Remarks upon the present Condition of the Jews in Palestine", daß zur Sicherung des „highway across Asia Minor to India" die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina nicht nur eine Tat der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, sondern eine politische Notwendigkeit sei. Noch einmal freilich schien es, als sollte Palästina davor bewahrt bleiben, Knotenpunkt großmächtlicher Interessen zu werden. Der Bau des Suezkanals schuf den kürzeren Seeweg nach Indien, und England, das in instinktsicherer Politik Stützpunkt auf Stützpunkt gewonnen hatte — Gibraltar, Malta, Aden, Perim, Zypern —, nutzte 1877 eine günstige Gelegenheit — kaum nachdem es seinen Fuß auf Ägypten gesetzt hatte —, auch den Suezkanal durch Ankauf der Aktien in seine Hand zu bringen. Aber auch dieser Seeweg blieb nicht das letzte Desideratum der englischen Middle-East-Politik. Zw-ar zwang England noch 1906 die Pforte, die Sinaihalbinsel an Ägypten zu überlassen, um damit den Suezkanal besser zu sichern. Indessen hatte inzwischen Lord Curzon die Parole Kairo—Kalkutta lanciert und damit für England die Forderung formuliert, neben dem Seeweg auch den Landweg nach Indien zu gewinnen. Bedeutete Gurzons Parole eine Phrase, um Deutschland in seiner Berlin—Bagdad-Politik zu schrecken; eine absichtlich zu weit gestellte Forderung, um nachher Konzessionen machen, Gegenkonzessionen verlangen zu können; war es die Konzeption eines imperialistischen Utopisten, der aus den imaginären Linien Kap—Kairo und Kairo—Kalkutta ein größenwahnsinniges Empiregebäude konstruierte, oder war es schließlich eine nüchtern-konkrete Notwendigkeit für das britische Empire, ein Ziel, das die englische Regierung letzten Endes zwangsläufig zu dem ihrigen machen mußte, nicht nur als Präventiv gegen das bis zum Persischen Golf vordringende Deutschland oder das durch Afghanistan und Persien zum warmen Meer, zum Indischen Ozean strebende Rußland, sondern auch als konstruktiv für das Empire bestehende Notwendigkeit? So konnte man damals wirklich fragen. Und eine klare Antwort auf diese Fragen schien unmöglich.

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