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Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
Date
1930-03-01
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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DIE GEOPOLITISCHE BEDEUTUNG PALÄSTINAS 109 großmächtlichen Interessen und vor allem diejenigen Englands, die wiederum mit der besonderen geopoiilisehen Lage Palästinas zusammenhängen und die sich ihrerseits mit ähnlich überraschender Geschwindigkeit wie Zionismus und Panarabismus zu einem sehr bestimmenden, man darf sogar ohne Übersehätzung des Themas sagen: zu dem maßgebenden Faktor der palästinensischen Entwicklung herauskristallisierten und formten. Um die geopolitische Bedeutung Palästinas und dessen Bedeutungswandel in den letzten Jahrzehnten voll zu verstehen, muß man weiter in der Geschichte zurückgreifen. Man muß sich daran erinnern, daß Palästina, nachdem es im Altertum als Landbrücke zwischen Afrika und Asien, oder konkreter ausgedrückt: zwischen den urallen Kultur- und Machtzentren Ägypten und Assyrien-Babylonien eine große Rolle gespielt, den Verbindungsweg und den Reibuugspunkt zwischen beiden Machibereichen gebildet halte und mit deren Politik auf das engste verknüpft gewesen war, und nachdem es später, nach dem Niedergang Ägyptens und Babyloniens und einer starken Drehung der Kraftzentren, erst wieder im Ausgang des Mittelalters zusammen mit Syrien als Umschlagplatz materieller und geistiger Werte zwischen Westeuropa einerseits, Bagdad und Indien anderseits erneut starke Geltung gewonnen hatte, jede Bedeutung verlor, als die Entdeckung des Seeweges nach Indien Handel und Wandel in neue Bahnen lenkte; daß der Seeweg um das Kap der guten Hoffnung den absoluten Vorzug vor dem komplizierten kombinierten See- und Landweg über die Levante erhielt und durch diese neue Krafilinienverscbiebung nach Genua und Venedig auch die Städte Syriens und Palästinas zur Bedeutungslosigkeit herabsanken. In dieser Stellung verblieb Palästina bis ins neunzehnte, praktisch sogar bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein. Es war ein belangloses Zwischenspiel, als der erste Napoleon, noch als Konsul, Vorbereitungen traf, um von Palästina—Syrien aus Englands Stellung in Indien anzugreifen, Indien für Frankreich zurückzugewinnen und mitsamt Ägypten zu einem großen Kolonialreich zusammenzufassen, eine große Konzeption, die das zu gewinnen trachtete, was England heute tatsächlich besitzt. Zum erstenmal zeigt sich aber hier symptomatisch Palästinas kommende Bedeutung als Landbrücke zwischen Afrika und Asien, die eng mit der steigenden Bewertung Ägyptens und Indiens und deren Angliederung an eine der europäischen Großmächte zusammenhing. Der Kampf um Indien zwischen Frankreich und England war mit dem

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