Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Article
- Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
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108 MENORAH Und wer hat sich überlegt, mit welchem unheimlichen Tempo sich hier an der Küste des Mittelmeers eine Entwicklung vollzogen hat, die selbst in unserer an rasante Entwicklungstempi gewöhnten Zeit noch erstaunlich ist? Als sich 1896 mit Herzls ,,Judenslaat" und 1897 mit dem ersten Zionistischen Kongreß in Basel der Zionismus organisierte und aktivierte, war Palästina kaum etwas anderes als eine weltverlorene Provinz des Ottomanischen Reiches, die fast niemanden interessierte. Zwar war es das Sanktuarium dreier Religionen; aber die Ideologie der Kreuzzüge war ganz verflogen; statt dessen bewegten die Reibereien zwischen katholischen und orthodoxen Mönchen gelegentlich die politischen Kreise zwischen Frankreich und Rußland. Zwar zählte Frankreich Syrien mit samt Palästina zu den Gebieten, in denen ihm als Protektor der Christen im Orient traditionsgemäß gewisse Rechte zustanden, und zu seiner Einflußsphäre. Aber sonst schien — abgesehen vielleicht von Vclleitäten des Vatikans — nichts der Verwirklichung der zionistischen Absichten auf Palästina entgegenzustehen als der Wille des Sultans. Und dessen Zustimmung, das Land den Juden mit einer gewissen Verwaltungsautonomie und ohne Aufgabe der Souveränität zu überlassen, hätte sicher durch eine finanzielle Abfindung erkauft werden können. Diesen Handel mit dem Sultan abzuschließen und dann die Siedlung der Juden finanziell und organisatorisch zu regeln, schienen damals die einzig wichtigen praktischen Aufgaben des Zionismus. Freilich störten bald Faktoren, die bisher nicht oder nur latent existiert hatten, einen so einfachen Gang der Ereignisse. Der eine dieser Faktoren ist die arabische oder panarabische Bewegung, die ein knappes Jahrzehnt nach der Organisierung des Zionismus und mit einem Seitenblick auf diesen ins Leben trat und die, nach einer Zeit der Stagnation, im Laufe der letzten Jahre einen beunruhigenden Umfang und eine bedrohliche Wichtigkeit für die zionistische Arbeit in Palästina und für die Ausgestaltung der jüdisch-nationalen Heimstätte gewonnen zu haben scheint. Die palästinensischen Unruhen vom August und September letzten Jahres sind noch in zu lebhafter Erinnerung, die arabische Agitation gegen die Balfour-Deklaration zu ofT-en und laut, als daß die Tatsache einer gewissen akuten Gefahr, die die augenblickliche Kausse des arabischen Nationalismus für das zionistische Aufbauwerk bildet, übersehen werden könnte. Indessen scheint ein anderer Faktor ungleich wichtiger für den Zionismus und für Palästina zu sein, nämlich die große Politik, die