Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Article
Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium
Date
1930-03-01
Page
107 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912900-2912903-2924914--08801-2925031
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M ENORAH VIII. JAHRGANG MÄRZ/APRIL 1930 NUMMER 3/4 Die geopolitische Bedeutung Palästinas, besonders für das britische Imperium Von Dr. Conrad Oehlrich Der an rasante Entwicklungstempi gewöhnte, von großen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen gefesselte, auf nahe, vitale Probleme konzentrierte und von weiten Perspektiven geblendete Blick der Gegenwart richtet sich nichtsehr häufig auf Dinge und Fragen, die seinem unmittelbaren Interesse, seinem Denken und Fühlen ferner stehen, und noch seltener gelangt er dazu, diese ferner stehenden Dinge und Fragen anders als oberflächlich-schematisch zu betrachten und erfassen, sie zu durchschauen und ihnen auf den Grund zu gehen. Reparationen und Flottenrivalität, Faschismus und Bolschewismus, Indien und China und noch einiges mehr sind die außenpolitischen Blickfänger, die fast alles Interesse absorbieren. Dazu kommt die Sucht der Ismen und Pan-Ismen, der verallgemeinernden, vergröbernden und entstellenden Schlagworte, die das Vokabularium der Zeitungen und der Zeitungsleser bilden und die jede Fähigkeit zu objektiver Betrachtung, jeden Sinn für feinere Zusammenhänge und Nuancierungen töten und die jeden komplizierteren Vorgang, der sich nicht einfach und mühelos in die großen Schemata einordnen läßt, zu einem Vorgang zweiter Ordnung und minderen Interesses degradieren. Vielleicht wird nicht jeder diesen einleitenden Worten zustimmen mögen, wenn in der Überschrift von Palästina die Rede ist und im folgenden von diesem Lande gesprochen werden soll. Denn zweifellos gehörte Palästina nicht zu den unbekanntesten Ecken der Welt, und zweifellos sind „Zionismus" und „Panarabismus" Worte und Themen, die in den Zeitungen hin und wieder genannt und behandelt werden. Aber wem sind diese Worte lebendige Begriffe — dieser Satz gilt nicht für die Leser dieser Zeitschrift —, und wer weiß, welche Rolle diese Faktoren in der Entwicklung dieses eigenartigen Staatswesens Palästina gespielt haben und welche Rolle sie noch spielen werden? Wer weiß, ob Zionismus und Arabismus die einzigen Faktoren sind, die für das bisherige und künftige Geschehen in Palästina bestimmend sind?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.