Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Vom Geist der Synagoge
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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82 MENORAH sonderten Plätzen und abgemauerten Bezirken sowie das vollständige Abschließen gegen die Straße ein grundlegendes Erfordernis. Der jüdische Gottesdienst seit der Diaspora, der Zerstörung des zweiten Tempels, wurzelt in der Realität und hat seinem ursprünglichen Wesen nach mit Mystik nichts zu tun.. . . Die neueren Synagogen berücksichtigen last nie diese wichtige und grundlegende Tatsache und es ist ein vollkommenes Verkennen der Aufgabe, wenn hiebei anderen fremden Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Die in neuerer Zeit entstandenen freisinnigen Gottesdienste haben durch Weglassen alter jüdischen Riten, durch Einführung des Tempelchorgesanges und eine falsche Repräsentation den Synagogentypus so verändert, daß er fast gar keine Beziehung mehr zur altjüdischen Tradition aufweist. Man findet sogar neuere Synagogen, die als Grundriß die Kreuzform den christlichen Vorbildern entlehnt haben. Ebenso ist der Kuppelbau als Raumform ganz unjüdisch; es wird damit eine Mystik betont, ein Distanzieren zwischen Priester und Zuhörer in der baulichen Anlage, die dem jüdischen Kult immer fremd waren. Der Vorleseplatz wird zumeist mit der Bundeslade an einer Stelle vereinigt, die der Zuhörerschaft entrückt ist. Es wird damit ein Vorn und Hinten geschaffen, wodurch die charakteristische Sitzanordnung um den zentral angeordneten Almemor vollkommen verloren ging. Trotzdem werden in solchen Bethäusern ohne Almemor am Fest der Thorafreude Umzüge mit den Thorarollen veranstaltet, bei denen der fehlende Almemor den natürlichen Mittelpunkt abgeben sollte. Es kam so zu einer Schablone des Dekorierens als einziges Auskunftsmittel, um das Jüdische zu betonen. Davidschild und Gesetzestafeln sind aber zu wenig, um einer Synagoge ihren Charakter zu geben. Beim Projekt der Hietzinger Synagoge wurde versucht, allen erwähnten traditionellen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen. Man tritt axial auf einen Brunnenhof ein, der den Mittelpunkt der baulichen Anlage bildet, und gegen den sich das Haus in ollen Geschossen öffnet, während es gegen die Straße streng abgeschlossen ist. Die großen Glastüren zwischen Garderobe, Vorhalle, Verbindungsgängen und den Hof sind umzuklappen, so daß ein großer offener Raum neben dem Betraum entsteht, um bei längeren Gottesdiensten im Sommer den Aufenthalt im Freien zu ermöglichen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Das Gitter des Almemor im Hauptraum daneben ist aus Schmiedeeisen und trägt die Lampen für die Raumbeleuchtung, während alle