Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Vom Geist der Synagoge
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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80 MENORAH werk an der Front, den Marmor des Portals und Vestibüls mit seinem Brunnen aus glasierter Keramik, die gebrannten farbigen Fenster mit der Darstellung der sieben Schöpfungstage im Korridor — schreibt Harry Elte das Folgende über den Innenraum seines Tempels: Die Synagoge ist als ein großer Raum (von mehr als 211/2m Breite) gehalten, wodurch die Sicht der Besucher nicht eingeschränkt wird. In völliger Übereinstimmung mit dem Charakter des Gebäudes, hat auch sein Inneres eine andere, als die bis heute gebräuchliche Form. Bei dem Aufbau der Heiligen Lade, diesem weihevollsten Fleck in der Synagoge, waren meine Gedanken auf die inwendige Andacht gerichtet, auf die unbedingte Hingabe an den Allerhöchsten, auf die Kraft der ewig jungen Lehre Israels, das göttliche Gesetz, das sich durch alle Zeiten bewährt hat und dem Juden immer Führer bleiben wird auf seinem Lebensweg. Wenn es dämmert und düster wird, wird in der tiefen Nische, worin die Heilige Lade eingebaut ist, eine mystische Sphäre herrschen, bei Tageslicht oder Sonnenschein wird in den Brandmalereien der Fenster ein herrliches Farbenspiel aufleben, welches das Auge beglücken muß. Jedes der zwölf Fenster im Räume (zehn Meter hoch) drückt eine uns bekannte Vorstellung aus; mit den Emblemen des Kultus versehen, zeigen sie alle Gestalten oder Episoden, mit denen wir so intim vertraut sind — sie symbolisieren unsere heiligen Feste, die zwölf Stämme u. a. m. Aber auch in der elliptischen Umrahmung der Heiligen Lade ist farbiges Glas gebraucht. Außerordentlich muß die Wirkung sein, welche die durch dieses Glas durchgehenden Lichtbündel auf dem schwarzen Marmor des Hechais hervorrufen. Vielfältig müssen diese Strahlen reflektieren, himmlisch ihr Glanz auf der Heiligen Lade, die so kostbaren Inhalt verwahrt! Die Türen des Hechais sind belegt mit blankem Metall. Davor der Vorhang (Parouches), mit einer sinnbildlichen Darstellung des Lebens: eine Flamme — das volle Leben, dann Rauch und Schatten — der plötzliche Abbruch. Öffnet sich der Vorhang, dann zeigen sich die heiligen Gesetzesrollen, badend in einem Meer von Licht. Wenn bei Tageslicht die farbigen Glasbilder der Stimmung den Ton geben, sind es am Abend die Kronleuchter, ausgeführt in rotem Kupfer, die den Innenraum mit ihrem reich gespiegellen Licht erhellen.. , Zum Schluß folgen noch einige Anmerkungen über die verschiedenen Hölzer — Koromandelholz bei der Bima, slavonische Eiche bei den Sitzen des Rabbiners, der Tempelvögte und der Wandverkleidung,