Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Vom Geist der Synagoge
- Date
- 1930-01-01
- Page
- 79 (sequence 1)
- Language
- German
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VOM GEIST DER SYNAGOGE Die neue Synagoge in Amsterdam von Harry Elte, ein Werk von charaktervoller Bedeutung, hat uns Gelegenheit gegeben1), das aktuelle und wichtige Problem des jüdischen Tempelbaues in diesen Blättern wieder einmal aufzurollen. Nun bietet uns der neue Tempel in Hietzing den willkommenen Anlaß, in der grundsätzlichen Erörterung fortzufahren, wobei wir annehmen wollen (und wohl auch dürfen), daß der Leser schon so sehr im Bilde und interessiert ist, daß er alles zu wissen verlangt, um alles, was zur Sache gehört, zu verstehen. Jedenfalls ist das der Sinn unserer Darlegung. Wir möchten an dem besonders geeigneten Beispiel des Judentempels, für das — wie vielleicht für kein anderes —- ein allgemeines jüdisches Interesse, wenn auch nur latent, verdunkelt und verschüttet, vorhanden ist, von der Oberfläche in die Tiefe gehen und den nun einmal angeregten Freund unserer Kultur dahin führen. Gelingt uns das, dann wäre sehr viel gewonnen. Denn dann wräre nicht nur das Thema, mit dem wir es zu tun haben, nach allen Seiten erkannt, sondern darüber hinaus jene ernstere, edlere Teilnahme erweckt, die auch bei anderen Gegenständen unserer Kunst, ja bei allen Erscheinungen unseres geistigen Lebens, die ihnen angemessene gründliche Einsicht zu erwerben wünscht. Und was täte uns heute mehr not als dieses wahrhafte, bis zum Peinlichen saubere Innewerden unserer irgendwie schaffenden, irgendwie bewegenden Kräfte! Was anderes könnte uns über den toten Punkt hinweghelfen, auf den wir, verstrickt und ermüdet von den leidigen, immer irgendwie politischen Debatten geraten sind, wenn nicht diese reinere Selbstbesinnung! Hier ist ein Feld gegeben, auf dem wir alle, ohne Unterschied, im lebendigen Sinne unseres Volksgedankens uns erfrischen und gesunden können. Denn hier, in den Werkstätten unserer Denker, Dichter und Künstler, ist, ungetrübt durch jede vorgefaßte Tendenz, unser rein beschwingter Geist, unsere entfesselte Tat. In diese Werkstätten wollen war gehen. Wie sieht, wie beschreibt der jüdische Künstler unserer Zeit sein Werk, den neuen Tempel? Wie steht er zu dieser Sache in Amsterdam und wie in Wien, also in zwei ■— nicht nur geographisch — sehr entfernten Gegenden der jüdischen Welt? Nach einer Einleitung, welche die BaustofTe der neuen Synagoge feststellt — Ziegel und Granit mit einigem symbolischen Bildhauer- *) Siehe „Menorah", Dezember 1929.