Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 13)
- Language
- German
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JÜDISCHE JUGEND UND JUGENDWOHLFAHRT 75 gründe, daß Jugendliche gleichaltrigen Menschen oft sehr gut Rat gehen können und. was noch wesentlicher ist. daß die Ratsuchenden sieh Altersgenossen leichter erschließen als einem Erwachsenen" und seinem Rate größeres Vertrauen entgegenhringen. Die Wünsche der Ratsuchenden sind ganz verschiedener Natur, teils liegen sie auf medizinischem, teils auf juristischem Gebiet, oft genügt es schon, die Jugendlichen den richtigen Stellen zuzuführen. In jeder größeren jüdischen Gemeinde müßte die organisierte jüdische Jugend auch hieran ihren Eifer wenden und eine solche Beratungsstelle einrichten. Dies ist auch eine Aufgabe, die keinerlei finanzielle Aufwendungen erfordert, die sich nur auf dem guten Willen der sie Schallenden aufhaut, ihren Platz würde diese Stelle natürlich im Jugendheim, dem Zentrum der örtlichen Jugendarbeit, zu finden hahen JLJie Mitwirkung hei der Berufsberatung wurde auf der Seesener Tagung als eine Aufgahe der Jugendberalungsstellen hezeichnet. Die Möglichkeilen. Berufsberatung und Berufsausbildung von seilen der Jugend zu unterstützen, sind auch nach den in dem dort gehaltenen Referat gemachten Vorsehlägen sehr gering. Die dort vorgeschlagenen Maßnahmen. Einflußnahme auf die Berufswahl. Überwachung der Lehrstellen usw.. sind sehr wichtig und sollen als Einzelmaßnahmen keinesfalls unterschätzt werden. Einen starken Einfluß auf die Berufswahl wird man aber so nicht erlangen. Sollte es nicht auch eine Aufgabe des Reichsausschusses sein, sich in die Reihe derer zu stellen, die für eine berufliche Umschichtung innerhalb der jüdischen Jugend werben? Eine starke Vorsicht ist meines Erachtens den Parolen gegenüber angebracht, die für ein stärkeres Ergreifen des landwirtschaftlichen Berufes seitens der jüdischen Jugend ausgegeben werden. Hiermit soll keineswegs etwas gegen die Eignung des Juden zur Landwirtschaft gesagt sein, denn alle sich in dieser Richtung bewegeirden Zweifel sind durch das Beispiel Palästina glänzend widerlegt. Es soll auch nicht verkannt werden, von welch ungeheurer Bedeutung eine starke Hinwendung der jüdischen Jugend zur Landwirtschaft sein könnte. Die Bedenken, die gegen eine zu starke Propagierung dieser Gedanken vorhanden sind, liegen einzig und allein in den ungünstigen Zukunflsaussichten für den Landwirt in Deutschland. Es fehlen eben rundweg alle Voraussetzungen für die Existenz eines jüdischen Landwirtes in Deutschland. Die Schichten, die finanziell in der Lage wären, ihren Söhnen nach vollendeter Ausbildung einen landwirtschaftlichen Eigen-