Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 14)
- Language
- German
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76 MENORAH besitz zuzuführen, werden in den allerwenigsten Fällen ihre Söhne diesem Berufe zuwenden. Die Menschen, die aus Proletarierkreisen und den Kreisen des Mittelstandes kommen, würden wohl in den meisten Fällen verurteilt sein, Landarbeiter zu bleiben. Es erscheint auch sehr fraglich, wieweit es durch die Versuche, große Bauernsiedlungen zu schallen, gelingt, günstigere Möglichkeiten herbeizuführen. Der Belehrung über die zu ergreifenden Berufe, ihre Erfordernisse und ihre Aussichten sollte der Reichsausschuß mit den anderen in Frage kommenden Stellen seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Berufsberatung hat natürlich auch mit anererbten sozialen Vorurteilen zu rechnen, mit Vorstellungen, die weniger bei den Jugendlichen selbst als bei den Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten sich finden. Ganz gewiß bedeuten heute akademische und kaufmännische Berufe nicht mehr letzte Weisheit und letztes Heil. Die Existenzbasis für den durchschnittlichen selbständigen Kaufmann und Handwerker wird immer schmaler, die Forikommensmciglichkedt für wirklich gut vorgebildete Facharbeiter demgegenüber ungleich günstiger. Das alles muß den Berufsanwärtern und ihren Angehörigen klargemacht und, um dem allem Nachdruck zu verleihen, eine neue Berufswertung innerhalb der jüdischen Gesellschaft befördert werden. xjLH die oben gezeichneten Aufgaben, die die jüdische Jugend sich stellt und zu denen ihr soziales Verantwortungsbewußt sein sie drängt, erfordern ein unendliches Maß von Kleinarbeit, deren Größe von Außenstehenden gar nicht immer gewürdigt werden kann. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der die Jugend diese Arbeit übernimmt, muß auch die Generation der Erwachsenen sich entschließen, ihr einen Einfluß in den Gremien einzuräumen, die prinzipielle Entscheidungen für die Gestaltung der Jugendwohlfahrtsptlege trelVen. Man wird ihr den berechtigten Anspruch auf Sitz und Stimme in Anstallskuratorien und Wohlfahrtskommissionen nicht versagen können. Wenn auch die .,Alten*' wissen, daß die Forderungen, die die Jugend in diesen Gremien stellen wird, oft den ihrigen nicht entsprechen werden, so werden sie trotzdem diesen Wünschen die Erfüllung nicht versagen. Eine aus kleinlichen Gesichtspunkten heraus erfolgte Zurückdrängung des jugendlichen Elementes würde die jüdische Wohlfahrtspflege bestimmt nicht zum Besten beeinflussen, eine Stärkung dagegen kann nur zur weiteren Aufwärtsentwicklung 1) eii t r a g e n.