Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Seesen 1× ep/1048106
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68 MENORAH Die hier gegebene Einteilung und Charakterisierung der jüdischen Heime läßt sich im Augenblick nicht nachprüfen. Sie wird wahrscheinlich, wie jede Typisierung, viel Richtiges und viel Falsches enthalten und es wird nur wenige Anstalten geben, die genau den gegebenen Schilderungen entsprechen. Wenn auch aus guten Gründen eine namentliche Aufzählung der Anstalten unterblieb, so wäre doch eine zahlenmäßige Verteilung der Anstalten auf die einzelnen Gruppen für eine Gesamtbewertung der jüdischen Waisenhäuser Deutschlands interessant gewesen. Die in Seesen angenommenen Resolutionen bezeichnen die Anstalten alten Stils ,,in pädagogischer, hygienischer und menschlicher Hinsicht" als unzureichend. Nach einem solch harten Urteil hätte man darauf gefaßt sein müssen, daß die hinter dem Antrag stehenden Gruppen nun auch wirklich einen energischen Kampf gegen die so ungünstig charakterisierten Anstalten aufnehmen würden. Um so unverständlicher die Resignation, die sich an Stelle der erwarteten Aktivität zeigt. Wenn die Anstalten wirklich so auf der ganzen Linie versagt hätten, wie die Seesener Resolution es hinstellt, mußte da nicht jedes Mittel zur Beseitigung versucht werden und hätte man nicht, wenn anderes versagt hätte, die Öffentlichkeit aufklären und aufrütteln, und so einen verstärkten moralischen Druck auf Kuratorium und Leitung ausüben müssen? Eine jüdische Jugend, die von sozialem Wollen erfüllt ist, dürfte nicht dulden, daß Kinder in Anstalten Jahre ihres Lebens untergebracht sind, die in .,pädagogischer, hygienischer und menschlicher Hinsicht" unzureichend sind. Der in den Anstalten herrschende Geist wird im wesentlichen bestimmt-durch Leitung und Kuratorium; dessen Auswirkung wird spürbar durch die E r z i eh e r. Alle Bemühungen sind zwecklos und bleiben halbe Maßnahmen, wenn sie nicht von einem opferbereiten Erzieherstab in der täglichen Kleinarbeit getragen werden. An solchen Erziehern soll es noch mangeln, und aus dieser Erkenntnis heraus fordern die angenommenen Resolutionen Schaffung der äußeren Bedingungen, die zum Ergreifen des Erzieherberufes anregen. Darüber hinaus wird eine Einflußnahme auf die Kuratorien der Anstalten gefordert, und man wird einer zur Mitarbeit bereitwilligen Jugend Sitz und Stimme im Kuratorium nicht verwehren können. Wenn nach Erreichung diesr Forderungen in stärkerem Maße als bisher Menschen aus der Jugendbewegung sich dem Erzieherberuf in jüdischen Anstallen widmen, ist eine gewisse Garantie dafür gegeben, daß in diesen Anstalten moderne Bestrebungen sich durchsetzen.