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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
Date
1930-01-01
Page
Seite 67 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE JUGEND UXD JEGENDWOIILE AHRT wisse Zahl von Fluchtversuchen wird sich nie vermeiden lassen, denn schließlich ist das heimliche Verlassen des Elternhauses auch keine seltene Erscheinung. w5orge für heimal- und elternlose Kinder wurde von jeher im Judentum als eine der am meisten verpflichtenden Aufgaben empfunden. Gedanken, die im Zusammenhang mil dieser Fürsorge geäußert werden, linden daher bei einer Erörterung auch immer ein reges Interesse in der jüdischen Öllent lichkeil. Ms scheint deshalb angebracht, die in Seesen zu diesem Punkt geäußerten Ideen ausführlich darzustellen. Die Referenlin unterscheidet nach der inneren Struktur der Anstalten d r e i T y p e n j ü d i s c h e r Wa i s e u h ä u s e r in Deutschland : aj die ..historischen" Waisenhäuser mit nur äußerer Reform. b) die Waisenhäuser mit innerer Reform. c) die revolutionären Heime. Zu den Waisenhäusern mit nur ä u ß c r e r R e f o r m werden diejenigen Anstalten gerechnet, die zwar, dem Zeilgeist entsprechend, gewisse äußere Reformen eingeführt hätten, ohne aber deren Sinn und Geist erfaßt zu haben. Die individuelle Erziehung der Kinder stehe in diesen Anstalten vollkommen im Hintergrund, wesentlich sei der äußere Erfolg. Ais Symptome für diese Anstalten führt die Referentin das völlige Versagen gegenüber psychopathischen Kindern und die unaufrichtige Haltung der Kinder gegenüber den Erwachsenen an. Die Anstalten mit innerer Reform bejahen nach ihr den Eigenwert des Kindes, umgeben es mit Liebe und Vertrauen und versuchen, den Kindern die fehlende Familie zu ersetzen. Nach Ansicht der Referenlin erkennen sie jedoch nicht das moderne pädagogische Problem, der Erziehung zur Gemeinschaft. In diesen Anstalten bestehe nicht die Kampfstellung gegen die Erwachsenen, es fehle aber die innere freie1 Haltung der Kinder. Zu den revolutionären jüdischen Heimen gehöre außer dem Berliner Kinderheim ..Ahawah" nur noch das Kinderhaus Kowno und das Kinderdorf Ren-Schemen (das frühere Heim Baiimgarten gehörte auch zu dieser Gruppe). Dies sind die einzigen Heime, die nach Ansicht der Referenlin den Eigenwert der Jugend im Sinne der revolutionären Jugendbewegung bejahen und der Individualität jedes einzelnen Kindes gerecht werden. Wärme und Vertrauen herrsche in diesen Häusern. Die Kinder fühlen sich wohl und seien stolz auf ihr Heim.

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