Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 4)
- Language
- German
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66 MENORAH ilussung, die er in diesen Vereinigungen erfährt, und vor allem durch den Halt, den ihm die Zugehörigkeit zu einem solchen Verbände späterhin nach dem Verlassen der Anstalt gewähren kann. Die Durchführung eines solchen Vorschlages scheitert aber bei uns wahrscheinlich schon daran, daß unsere Fürsorgeerziehungsanstalfen zu weit von der Stadt entfernt sind. Dies trill't auch für die neue Fürsorgeerziehungsanstall für Jungen in Wolzig zu. Wenn auch Wolzig — bei dem durch seine Funktürme bekannten Königswusterhausen — ziemlich nahe bei Berlin liegt, so ist es doch immer noch zu sehr von Berlin entfernt, als daß von dort aus all die Möglichkeiten ausgenutzt werden könnten, die die Großstadt bietet. Dies gilt namentlich für die Fragen der Berufsausbildung. Ist man mit Krebs (Arbeiterwohlfahrt, a. a. ().) der Meinung, daß in Fürsorgeerziehungsanstallen im Vordergrund die Berufsausbildung der Jugendlichen sieben muß. so gilt es, alle Einrichtungen zu schallen, die Gewähr für eine gute Berufsausbildung bieten. Unsere jüdischen Anstalten sind hier, bedingt durch ihre Größe, will sagen ihre Kleinheit, in einer besonders schwierigem Lage. Eine Anstalt vom Umfange unserer jüdischen kann nicht die Zahl von Einrichtungen haben, die notwendig wäre, um die Berufswünsche aller Jugendlichen zu erfüllen, sie kann höchstens im Rahmen der Anstalt die Möglichkeiten zum Erlernen von drei bis vier verschiedenen Berufen bieten. Was aber will das bedeuten angesichts der Talsache, daß die amtliche Berufszählung aus dem Jahre 1920 das Vorhandensein von 2400 Einzelberufen zeigte. Auch beim besten Willen kann also eine solche Anstalt den Wünschen und Begabungen ihrer Zöglinge nicht gerechl werden. Schon aus diesem Gesichtspunkte heraus allein besteht für unsere Anstalten eine Sonderaufgabe darin, den auch in den Richtlinien der Arbeiterwohlfahrt fArbeiterwohlfahrl, Heft 10, 1929, Seite 291) geforderten C b e r g a n g z u m h a 1 b o f f e n e n H e i m zu vollziehen. Unsere Anstalten hätten dann dadurch, daß sie ihre Jugendlichen in freien Betrieben in die Lehre gäben, die Möglichkeit, ihnen die Berufsausbildung angedeihen zu lassen, die ihnen gemäß ist. Das Gespenst des Ausrückens", das von vielen bei einer Lockerung der äußeren Bedingungen an die Wand gemalt wird, wird durch die Erfahrungen widerlegt. Je moderner und freiheitlicher eine Anstalt geleilet wird, um so geringer ist die Zahl der Ausrückenden. Eine Erscheinung, die auch selbstverständlich ist, denn der schärfere Druck erzeugt den stärkeren Willen, sich diesem Druck zu entziehen. Eine ge-