Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Jüdische Jugend und Jugendwohlfahrt
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHE JUGEND UND JUGENDWOHLFAHRT 65 Probleme der H e i m e r z i e Ii u n g haben in letzter Zeit im Anschluß an Lampeis Stück ,.Revolte im Erziehiingshaus" und sein Buch ..Jungen in Not" in reichem Muße die Ölfenlliehkeit beschäftigt. Das Referat, das sich mit Gedanken über jüdische Fürsorgeerziehung befaßte, konnte naturgemäß -wenig neue Ideen in die Debatte werfen. Man kann es als einen glücklichen Zufall bezeichnen, daß gerade in die Zeit, in der die schärfste Kritik an den Fürsorgeeinrichlungsanslallen geübt wurde, die letzten Vorbereitungen fallen, um eine neue jüdische Fürsorgeanstalt zu errichten. Man wird hoffen können, daß mit neuen Menschen und neuen Räumen auch neuer Geist in diese Anstalt einzieht. Einen großen Raum in der Debatte über die Fürsorgeerziehung nahm die Frage nach der Möglichkeit einer Mitarbeit der jüdischen Jugend an der Aushilfsarbeit ein. Es liegt in der Natur eines jeden Anslaltsbetriebes, daß er sich weitestgehend der Mithilfe Außenstehender verschließt. In Anerkennung dieser Umstände beschränkten sich die Wünsche wohl auch nur auf die Beteiligung bei der Ausgestaltung der F r e i z ei l. Gegen die in diesem Zusammenhange gemachten Vorschläge tauchen aber Bedenken auf, die nicht im Anstaltscharakter begründet sind. Keine Meinungsverschiedenheit kann darüber bestehen, daß die Freizeit nur einen Wert besitzt, wenn sie sinnvoll ausgestaltet ist und sich nicht nur im Nichtstun äußert. Es ist auch bekannt, daß in sehr vielen Anstalten dies Problem noch nicht gelöst ist, und eine aktive Teilnahme der freien Jugend bei der Gestaltung der Freizeit würde gewiß für manche Anstalten eine Hilfe bedeuten. Fraglich ist nur. ob die Jugendlichen innerhalb der Anstalt einem regelmäßigen Besuch der Außenstehenden nicht einen innerlichen Widerstand entgegensetzen, oh sie nicht das ..Zeilopfer'*. das ihnen gebracht wird, als eine ..Wohltat'', von der sie lieber verschont blieben, empfinden, und ob so nicht eine unerwünschte und unbeabsichtigte Wirkung hervorgerufen wird. Es ist vielleicht gut, die Erfahrungen abzuwarten, die mit einem in dieser Richtung sich bewegenden Versuch an einer Berliner Fürsorgeerziehungsanstalt (Struveshof bei Berlin) gemacht werden. Beachtlicher scheint der Vorschlag zu sein, den Otto Krebs, Direktor der Fürsorgeerziehungsanstalt Lindenhof (im Osten Berlins), in der „Arbeiterwohlfahrt" (Heft 10, 1929, Seite 312) macht. Er fordert nämlich den Eintritt der Jugendlichen in Verbände der Jugendbewegung oder in Gesangs-, Turn- oder Sportvereinigungen. Das soll finden Jugendlichen von Bedeutung sein durch die erziehliche Beein-