Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Von der Mellah in die Rue des Consuls
- Date
- 1930-01-01
- Page
- 57 (sequence 5)
- Language
- German
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Geldwechsler ginnenden Kapitalismus ergab, auch den Handel mit (leid. Sie waren die Münzer und Wechsler des Reiches. Die im Umlauf befindliche Münze war damals der Mitqal in Gold, dessen Wert von C> Francs bis 7 Pfund schwankte. Der Kurs war davon abhängig, ol) viel oder wenig Schilfe im Hafen waren, oh das Geschäft ruhig oder lebhaft war. Daneben gab es auch Silber- und Kupfermünzen, die besonders für den inländischen Handel und die laufenden Zahlungen Verwendung fanden. Vorteilhaft war der Handel und die Einwechslung ausländischer Münzen. Die Juden kauften besonders die Silbermünze'«, nach Gewicht, so daß sich beim Einschmelzen und Neuprägen durch die Differenzierung des Feingehaltes große Gewinne ergeben konnten. Natürlich erforderte dies große Münzkennlnis und genaue Einschätzung der Marktlage, denn die mißtrauische marokkanische Landbevölkerung achtete sehr auf richtiges Gewicht und vollen Feingehall. Durch die Geschicklichkeit der Juden blühte der marokkanische Handel und verhalf auch ihnen zu großen Reichtümern. Ihren Erfolg verdankten sie ihrer einfachen Lebensweise; wie die Araber beschränkten sie sich auf das Notwendigste an Kleidung und Nahrung. Ihren Gemeinsinn. bewiesen sie, indem sie einen Teil des Erworbenen hergaben, um das Vermögen jener zu stärken, die im Geschäfte Unglück hatten und die Armen zu hindern auf der Straße um Brot zu betteln. Trotzdem erregten sie den Haß der die Städte und Distrikte beherrschenden Caids und Paschas, die durch mehr oder minder legale Steuern die Toleranz zu rechtfertigen suchten, die sie den Juden bei der Ausübung ihrer Tätigkeil bewiesen. Sie zahlten dem Sultan einen Schulzlribut als Zeichen ihrer Ergebenheit, der unter manchen Fürsten nicht sonderlich hoch war. Außerdem entrichtete jeder dreizehnjährige Jude eine Kopfsteuer von einem Dukaten in Gold unter dem Titel eines ,.djajat cd daheb bi ouldiha", das heißt „einer Goldhenne mit ihren Küchlein", weil die Juden es vorzogen, ihn so statt in Silber zu zahlen. Dazu kamen noch die obligaten Geschenke für die großen und kleinen Machthaber an den islamitischen Feierlagen, so daß es nicht Wunder nimmt, wenn wir bei einem zeitgenössischen Schriftsteller lesen, daß es bei all ihrem Fleiße den Juden nur mit Mühe gelang ihr Leben zu fristen: sie waren derart mit Steuern überlastet, daß sie die meiste Zeil dagegen nicht aufkommen konnten. Mit Beginn des Mb Jahrhundeiis ver-