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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Der kleine Ahasverus
Date
1930-01-01
Page
Seite 30 (sequence 3)
Language
German
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30 MENORAH sonst würde er kein langes Leben vor sich haben, er weiß, daß er funkeln muß, um gesehen zu werden, die Zeitung in seiner Hand, die Neuigkeit, muß zittern . .. horrible, horrible . . . und auf diese Weise wird der kleine Zukunftsamerikaner von früher Jugend an daran gewöhnt, eine Spannung auszuhalten, die einen Durchschnittseuropäer umbringen würde. Er gleicht einem kerngesunden Stück Wahnsinn, also einem Teufel, wenn er auf dem Rande des Trottoirs steht, und, ohne daß ein einziger Käufer im Fahrwasser ist, den Kriegsruf durch die Luft schleudert... WTaaljd! Er ist besessen. Das aber ist just der Mensch der Zukunft: einer, der verrückt ist und es ertragen kann. Es kommt vor, daß ihm ein Bein abgefahren und er in früher Jugend zum Invaliden wird, solange aber noch Leben in dem anderen ist, kann man sehen, wie er seine sieben oder acht Jahre mit einer Krücke festigt und die Konkurrenz auf dem City Hall Place aufnimmt, immer gleich ungebrochen, solange niemand ihn bedauert. Edison hat als Zeitungsjunge begonnen. Und als Zeitungsjunge steht der kleine Ahasverus auf dem Rande der Trottoirs vor der City Hall, mitten in dem Wirbel von Menschen und Wagen am Fuße von W o r 1 d s Turmgebäude. Er sieht aus wie ein gewöhnlicher news-boy, aber er ist eine so winzige Ausgabe, daß er für Geld gezeigt werden könnte, der kleinste Zeitungsjunge der Welt; der ganze Kerl ist vielleicht vier Jahre alt. Sein kleiner Arm kann kaum den Packen halbzusammengelegter Zeitungen umspannen, während seine freie Hand eine einzelne zum Verkauf bereithält. Fast sollte man glauben, daß der Knirps Zeitungsjunge spielt und sich nach allen Regeln der Kunst aufgestellt hat, um das Gefühl des Dabeiseins zu genießen, während der große Bruder richtig in der Brandung arbeitet; aber er ist selbst der große Bruder und es ist bitterer Ernst. Hin und wieder, wenn der Verkehr auf dem Fahrweg besonders gewaltig wird und der Lärm sich selbst über den Kopf wächst, findet er, daß er sich auch bemerkbar machen muß, und dann geht er bis zum äußersten Rande des Fußsteiges, reicht eine Zeitung aufs Geratewohl in den Auflauf hinein, und W a a j 1 d, sagt er, ja, er strengt sich an, um wie ein alter, geübter Zeitungsjunge zu bellen, die kleine Brust zieht sich bis in den Magen hinunter zusammen, so daß er nach vorn zusammenschrumpft; Waajld! Das kleine Stimmchen erstickt natürlich im Donnern des Straßenlärms, aber er hat doch verkündet, was verkündet werden soll, worauf er wieder einen Schritt zurücktritt, auf seinem Posten steht und jeder Nachfrage beflissen entspricht. Es kommt vor, daß Leute bei ihm kaufen, weil er

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