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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Der kleine Ahasverus
Date
1930-01-01
Page
Seite 29 (sequence 2)
Language
German
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DER KLEINE AHASVERUS 29 und ein Lied krähen, dagegen läßt sich nichts machen. Sie werden nicht geduckt und sind deshalb ziemlich beschwerlich, aber der Amerikaner kann sich auch das leisten. In Amerika kennt man nicht das genierte Kind mit dem Finger im Munde und der beginnenden Lähmung am ganzen Körper. Ihre Lungen sind ihnen freigegeben; sobald sie nur gehen können, sind sie in voller Funktion. Darum sieht man auch in New York so viele Kinder, die sich zeitig und freiwillig eine Arbeit verschaffen. Sie fangen ihre Karriere meistens als Zeitungsjungen an; kaum haben sie richtig sprechen gelernt, so kann man sie mit zerfransten Halstüchern im Zugwind unter den Aufgängen zur Brooklynbrücke stehen sehen, dort, wo die Straßenbahnen die großen Kurven machen und ohrenbetäubend in den Schienen kreischen, während die L-Züge einem überm Kopf donnern. Hier, wo man sein eigenes Wort nicht verstehen kann, wo Menschen geschäftig eilen, aber wo jeder eine Zeitung haben muß, hier schwimmt der schreiende Knirps von fünf oder sechs Sommern im Strom, mit Zeitungen, die noch abfärben unter dem Arm, und er schweigt nicht, er wartet nicht, bis jemand tiefgerührt dem süßen kleinen Kerl etwas zu verdienen gibt, nein, er geht mit der Energie eines Zulukriegers darauf los, er stößt mit den Hörnern wie ein Widderlamm, während ihm ein zackiges Gebrüll aus der Kehle dringt... D j ö r n 1! . . . Waajld...1) all a b o u t horrible murder! Mit der einen Hand, die von Druckerschwärze wie zum Leichenbegängnis gefärbt ist, reißt er eine Nummer aus dem Haufen und reicht sie einem Herrn auf der vorbeifahrenden Straßenbahn, während er mit der anderen kleinen Kinderfaust, die von New Yorks Kupfer bereits gehärtet ist, den Gent auffängt, und im nächsten Augenblick ist er weg, schießt auf eine neue Chance quer über die Straße los, kommt mit genauer Not an der Schutzvorrichtung einer Straßenbahn vorbei, kreuzt zwischen den Beinen zweier Pferde, manöveriert an einem erwachsenen Konkurrenten vorbei, schneidet einem gleichaltrigen Kollegen den Weg ab und stellt, ganz blau und hart im Gesicht, einem ,,Freund", mit dem er sonst Marmel spielt, ein Bein . . . Djörnl!... Waajld! Das Babyhafte sitzt ihm noch in den Gliedern, er hat noch alle Milchzähne, und trotzdem ist er schon so weit, daß er mit seiner kleinen Person nicht allein an dem Fieber der Großstadt teilnimmt, sondern es noch erhöht, er verstärkt das Tempo, überbietet die Geschäftigen, er knistert, übrigens ganz kaltblütig, denn l) Djürnl Waajld Journal World.

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