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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Über einen jüdischen Humanismus
Date
1930-01-01
Page
Seite 11 (sequence 9)
Language
German
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ÜBER EINEN JÜDISCHEN HUMANISMUS II Zeit und dem Raum nach begrenzt werden; Leviathan, Gan Eden und die jämmerliche Pracht des Neuen Jerusalem waren nicht nur Sache eines schwachen Jahrhunderts oder auch nur zweier. Selbst die Ansicht, daß die Juden wesentlich monotheistisch sind, muß gewissen Einschränkungen unterzogen werden. Und damit tritt ein zweiter, tieferer, humanisierender Einfluß, der diesem Prozeß der Vertiefung in jüdische Kultur innewohnt, in Aktion. Mögen auch die Juden heute in ihren Tempeln und Synagogen dieselben Formeln das Ein-sein Gottes betreffend wiederholen wie ihre Urahnen in der Wüste, so genügt doch ein oberflächlicher Blick auf die Urkunden, um einen ständig im Wechseln begriffenen Unterschied darin zu sehen, was diese Formeln bedeuten. Der Gott der Wüste, wie sehr Ein er auch gewesen sein mag, war einer unter vielen. Die Heidengötter waren anfänglich nur zu wirklich; sie waren nur fremde Götter, denen zu folgen, es den Juden verboten war. Man kann vielleicht noch weiter zurückgreifen und an der Hand vergleichender Studien der primitiven Kulturen und unter Mithilfe von Winken, wie sie in solchen Untersuchungen wie die von Jane Harrisons „Thenns" enthalten sind, eine Zeit erschließen, in der ein vages Gefühl von Heiligkeit herrschte, bevor noch überhaupt der Begriff einer Gottheit aufkam. Anderseits haben wir den Gott von Maimonides, ein wirklich unaussprechliches Wesen, dem man tatsächlich gar keine menschlichen Eigenschaften, nicht einmal Einzigkeit zuerkennen kann. Gott kann nicht, in keinem menschlichen Sinn des Wortes, allmächtig, allgegenwärtig, allgütig oder ein sein; beides, unaussprechlich und unbegreiflich ist Er. Nur indem man erfaßt, was Er nicht ist, meint Maimonides, kann man Seiner Erkenntnis näherkommen und Ihn zu umschreiben versuchen, denn Er gleicht keinem Objekt, das ein Mensch erkennen, erfühlen, von dem er sprechen könnte. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine Reihe von Veränderungen, eine wahre Theobiographie, in der ein Gottesbegriff bestimmt den anderen nicht erkennen würde. Die Reihe ist nicht einmal eine geradlinige Entwicklung von einem primitiven Gott unter anderen Göttern zu dem philosophischen, unsagbaren Einen. Sie ist durch mystische Konzeptionen eines Gottes, der durch Heilige Liebe mit Sich Selbst verbunden ist, kompliziert: eine kabbalistische und nebelhafte Dreifaltigkeit. Und die Reihe ist noch immer unbeendet; die Gottesidee ist noch immer im Wandeln begriffen. Es ist nicht unmöglich, daß in der nächsten Zukunft Gott in der jüdischen Gedankenwelt als ein kosmischer Evolutionsprozeß aufgefaßt werden wird, seine Einheit als ein kontinuier-

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