Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Über einen jüdischen Humanismus
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
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8 MENORAH sehe des Maimonides, das Jiddisch des Nachman von Bratzlaw und Scholem Aleichem, das Deutsch von Zunz und Geiger; nicht nur in der Literatur, die jüdisches Leben offenbart, wie es von und in den Volksmassen gelebt wird, sondern ebenso in jener die Erfahrungen hervorragender jüdischer Persönlichkeiten wie Spinoza, Maimon, Heine, Rahel Varnhagen, Beaconsfield, Lassalle, Jean Bloch spiegelt und die Art, in der sie auf die Welt eingewirkt und wie sie die Welt aufgenommen haben, wiedergibt, nicht nur in der jüdischen Geschichte von der Genesis bis zur Diaspora, sondern auch in den Geschehnissen der nachfolgenden zwanzig Jahrhunderte in jedem Lande der Welt bis auf die letzten Wahlen in Polen und die allerletzten Ereignisse in Palästina; nicht nur im jüdischen Geist, so wie er sich im Wachsen und Herauskristallisieren eines zentralen jüdischen Glaubens herrlich dargestellt hat, sondern auch in seinen exotischen Abenteuern im Hellenismus, der Scholastik, dem Protestantismus und dem modernen Nationalismus, und in seinen heterodoxen Seitensprüngen bei den Rechabitern, Essäern, Juden-Christen, Chassidim und Reformjuden; nicht nur in der jüdischen religiösen, philosophischen und literarischen Erfahrung, sondern auch im jüdischen, sozialen und ökonomischen Leben mit seinem phantastischen Wechselspiel von Sitten und Tabus, Nachahmungen und Überbleibseln, Küchen und Kostümen (was hab<n sie alles als ,.nationale" Speisen oder Trachten im Laufe der Jahrhunderte gegessen, respektive getragen, diese Juden!), von Gewerbearten und Handwerken (Sklavenhändler in Rom, Gewürzhändler in China, Diamantenschleifer in Amsterdam, Schenkwirte in Podolien, Schneider in New York!) von pädagogischen, karitativen und juridischen Institutionen und Neuerungen vom Beth-Din, Glieder und der Chewrah-Kadischa an bis auf die Rabbinerseminare, Logen und neuen Wohlfahrtsinstitutionen; nicht nur im Gepränge des geistigen und praktischen Lebens, nicht nur in den dreitausendjährigen Erfahrungen auf dem Gebiete des Wahren und Guten, sondern auch in den ebenso lange währenden Versuchen und Bemühungen um das Schöne mit ihren vielfältigen Offenbarungen in Illuminieren, Kalligraphie, dekorativen Ritualobjekten, Stickereien, Grabmälern, Tempelbauten und Fresken, Gravüren, Gemälden und Tänzen, vom kunstreichen Handwerk des biblischen Bezalel bis auf die eruptiven Phantasien Marc Chagalls, von der Haggadah von Sarajevo aus dem 13. Jahrhundert bis auf die Holzschnitte Steinhardts, vom wüstengeborenen Geheul der chazzanuth bis zum Schlomo Ernst Blochs, vom Siegestanz Mirjams vor dem Herrn bis auf den mystischen Reigen der