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Menorah · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Über einen jüdischen Humanismus
Date
1930-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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ÜBER EINEN JÜDISCHEN HUMANISMUS 5 einem großen Teil der westlichen Judenheit angenommen ist, das größte Hindernis für das Verständnis und — was ebenso wichtig ist — für die Benützung dessen ist, was ich unter jüdischem Humanismus verstehe. Deswegen, und nicht weil ich etwa den historisch gekünstelten Kategorien Arnolds beistimmte, will ich die Wiederholung seiner Unterscheidungen riskieren. Arnold sieht den Nutzen der Kullur darin, daß sie den gewohnten Anschauungen und Sitten einen Strom von frischen und freien Gedanken zuführt. Nach der Untersuchung dieses „Stocks" von Anschauungen und Sitten findet er, daß ein Großteil davon, in dem sie sich übrigens nur unerheblich von dem entsprechenden ,,stock" unseres 20. Jahrhunderts unterscheiden, von einem Betonen des Handelns und von einer devoten Neigung zum Gehorsam, von einem Kult für moralisches Betragen beherrscht sind, den er Hebraismus nennt. Er nennt es Hebraismus, weil er glaubt, daß dieses nachdrucksvolle Betonen des Handelns, dessen, was wir tun, durch das Christentum hindurch auf das alte Judentum zurückgeht und weil es durch diesen Namen am besten von jenem Betonen dessen, wie wir denken, des klaren Sehens und richtigen Urteilens, unterschieden werden kann, das seiner Ansicht nach aus Griechenland stammt und das er Hellenismus nennt. Seiner pädagogichen Art gemäß ändert er diese Bezeichnungen vielmals ab, so daß er für ihre Interpretation viele Stützpunkte liefert. Die oberste Idee des Hellenismus ist seiner Meinung nach „die Dinge so zu sehen, wie sie sind". Etwas nebelhafter ausgedrückt ist. es „die Spontaneität des Bewußtseins." Sich von seinem Unwissen befreien, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, und sie dadurch in ihrer Schönheit zu sehen, ist das Ideal des Hellenismus, der infolgedessen ebenso wie das Leben nach seinen Grundsätzen mit einer Art von ätherischer Leichtigkeit, Klarheit und Leuchtkraft umgeben ist. .,Die Renaissance" — um ein Beispiel dessen zu geben, was Arnold im Sinne hat — ,.ist die große Wiedererweckung des Hellenismus", weil sie eine „unwiderstehliche Rückkehr der Menschheit zur Natur ist." Anderseits klingt Hebraismus in Arnolds Definition wie eine altmodische Arznei — ein wenig bitter, unangenehm, doch bekömmlich. Seine oberste Idee gipfelt im „Handeln und Gehorchen". Er ist eher vom richtigen Tun durchdrungen als vom richtigen Denken. Statt der Spontaneität des Bewußtseins ist er der Gewissenszucht ergeben. Sokrates, der Hellenist sozusagen, fühlt sich „schrecklich wohl in Zion". Der Hebraist dagegen, ..war immer von dem furchtbaren

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