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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 622

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Thoraschrein, Almemor und Vorbeterpult
Date
1929-11-01
Page
Seite 622 (sequence 4)
Language
German
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022 M ENORA II Die drei Eingänge gegenüber dem Aron sieht man auch in der Darstellung eines Sakralraumes in einem Pentateuch der Leningrader Öffentlichen Bibliothek des 10. Jahrhunderts aus der ägyptischen Geniza. (AM). 1.) Wir erkennen auf dem Bild einen Schrein mit Giebel, äußerlich den Schreinen für die Thorarollen der antiken Synagogen nicht unähnlich. Nur sieht man hier anstatt der Rollen die Thoralafeln, weil es sich um eine Vision des Tempels handelt. Daneben sind die beiden Stäbe Arons, Gefäße, eine Kohlenschaufel usw. aufgestellt, und, was für uns das wichtigste ist, unten, also vorne, breitet sich die Wand mit den drei Eingängen. Man beachte, daß diese Eingangswand keineswegs hinter der Thoralade, sondern vor ihr liegt. Die Lade befindet sich am oberen Ende des Raumes gegenüber den Portalen. Dem aufmerksamen Beobachter wird die Form der Gesetzestafeln auf dem Tempelbild auffallen. Es ist das die charakteristische Form von Steintafeln aus der römischen Zeit, die iabella ansata. Solche Tafeln wurden an den seitlich angebrachten dreieckigen Ohren an die Mauer befestigt. Sie hatten Breitformat. Auf unserer Darstellung stehen die Tafeln indessen hochkant, haben Hochformat, das Ohr befindet sich am Kopf der Tafeln. Wahrscheinlich sind sie hängend gedacht. Diese Anordnung der Tafeln muß mit der Form des Schreines in Beziehung gestanden haben, die dem Künstler des 10. Jahrhunderts vertraut war. Die Thoraschreine dieser Zeit wurden im Innern wohl anders ausgestaltet als in der Antike. Die Thoralade der Antike hatte horizontale Böden, die gelegentlich in Kompartiments aufgeteilt waren, in jedem derselben lag hineingeschoben eine Schriftrolle. Anders im Mittelalter. Hier wird das Innere des Schreines ungegliedert gelassen, so daß die Thorarollen nebeneinander aufrecht stehen können. Auf einem Bilde in der Haggadah von Sarajevo aus dem 13. Jahrhundert, das die Synagoge darstellt, sehen wir in einer Nische den offenen Aron ha-Kodesch mit den darin aufrecht stehenden Thorarollen. Die Rollen haben mantelartige Hüllen und Kopfschmuck, wodurch die Aufwärtsrichtung besonders unterstrichen erscheint. Auch beim Ausheben der Thora wird die Rolle aufrecht getragen, wie es aus einer anderen mittelalterlichen illustrierten Handschrift, der Haggadah des British Museum, Or. Ms. Add. 14761, zu erkennen ist. Der jetzige Brauch in der Art der Ausschmückung, Aufbewahrung und Hantierung mit der Thorarolle geht auf das Mittelalter zurück, daß aber Ansätze zu diesem Brauch schon im 10. Jahrhundert wahrgenommen werden können, bezeugt der ägyptische Pentateuch mit den aufgerichteten Tafeln im Thoraschrein. Hier bereits tritt an Stelle der Lade mit

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