Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 615 (sequence 14)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WEHDEN! 615 sagte er mir: Jlerr Nierenstein, es tut mir sehr leid: Ihre Herren im Komitee bereiten nur großen Schmerz." Er hatte sie bald erkannt und ihren Charakter durchschaut. Und mm, Herr Alperson, beginnt neuerlich die große Emigralion aus Rußland, und diese Herren sind wieder an der Oberfläche. Schweres Geld wird in ihre Taschen verschwinden. Herr Ruber und ich. wir haben demissioniert, wir wollen mit ihnen weder etwas gemein haben noch in ihrer Milte weilen!" Kaum hatte ich mein Quartier betreten, als schon ein Diener des Komitees mich suchte. „Die Herren des Komitees wünschen Sie zu sprechen!" Dr. Reiser, der Vorsitzende, empfing mich schmunzelnd. ,,Herr Alperson", sagte er in aller Gemütsruhe, ..wir haben Sie als Transportleiter von dreißig Familien ausersehen. Heute abends geht der Zug nach Krakau, und von dort wird Sie das Komitee nach Argentinien schicken. Machen Sie sich reisefertig. Um 9 Uhr führt der Zug ab." Sämtliche Größen des Komitees fanden sich vor Zugsabgang am Bahnhof ein, um den ersten Emigrantentransport von Lemberg zu begleiten. Dr. Rick gab mir dreißig Gulden und dreißig Päckchen Tabak zur Verteilung an die Emigranten, wie auch einen Brief an Doktor Rosenfeld mit. Von Dr. Reiser erhielt ich eine Empfehlung an den Polizeichef. „Bewahren Sie sie gut auf", empfahl er mir, ,,sonst wird die Krakauer Polizei den ganzen Transport verhaften." Der Zug setzte sich in Bewegung. Mit der Liste in der Hand ging ich von Waggon zu Waggon, rief jeden beim Namen aus, gab ihm einen Silbergulden und ein Päckchen Tabak um dreizehn Kreuzer. In einem Wraggon hatte ich eine Überraschung. Eine dunkelhaarige Frau sprang an den Wänden herum und schrie1 wie verzückt: ..Gelobt sei der Herr! Nun sind wir beide Peiniger losgeworden: den Zaren und das Komitee! Es geht nach Argentinien! Ich werde eine Kolonistin sein! 0, Lob und Dank dem Herrn! Hoch lebe der Baron." Die Tränen traten mir in die Augen. Wie stark ist doch der jüdische Optimismus und wie groß das Leid der jüdischen Seele! Diese Frau wiederholte bei der Hochzeit des Grusiniers die Worte, die sie im Waggon gesprochen hatte. Ich lernte auch ihren Mann kennen. D. G. ist seit dreißig Jahren einer der besten Kolonisten in Maurizio.