Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 616 (sequence 15)
- Language
- German
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616 MENORAH Ich trat* mit meinem Transport in Krakau ein. Der Hol' des jüdischen Spitals, in dem sich das Büro des Komitees befand, war von Tausenden von Emigranten belagert. Auch dort traten die Diener über Judenköpfe hinweg. Frauen fielen auf den Stufen in Ohnmacht. Drinnen aber befanden sich zumindest zwei bedeutende Juden: Doktor Landau und ein zweiter, den man Herr Aaron nannte. Und an einem kleinen Tisch saß ein Paar: Reh Awremele „der Engel" und seine Frau, die, wie ich schon früher erwähnte, nicht müde wurden, zu helfen und zu unterstützen. Dort waltete seelenvolle Milde. Das jüdische Leid hatte ihre Herzen ergriffen, dort wurde dem jüdischen Auswanderer wenigstens nicht das Blut ausgesogen, wie es an anderen Stellen geschah. Einen unverzeihlichen Fehler jedoch begingen sie gegen die verirrten Schafe, die getauften Juden, die der Emigrationsstrom in unsere Mitte getragen hatte. Diese Unglücklichen, die zu unserem Volke, zum Gotte ihrer Väter zurückkehren wollten, wurden von den beiden namhaften orthodoxen Juden Rabbi Landau und Reb Aaron strengstens abgewiesen. Mochten jene noch so sehr geweint und gefleht haben, es war vergebens. Die Armen mußten oft noch ein zweites Mal ihren Namen umfälschen. In Hamburg wurden viele von ihnen in den Emigrationstransport nach Argentinien eingereiht. Sie befinden sich noch jetzt in unserer Mitte und sind rechtschaffene und treue Juden. Dagegen hatten die Führer der Komitees eine noch viel schlimmere Menschenklasse aufgenommen: Dirnen, Diebe, Zuchthaussträflinge und Leute ähnlichen Kalibers schmuggelten sich unter die Emigranten ein; und da das Komitee meist Einzelpersonen, wie Burschen und Ledige, für Argentinien suchte, meldete sich eine Unmenge von jungen Schwindlern, die ihre Frauen verleugneten und sich als Unverheiratete eintragen ließen. In der ,,Heiratsperiode", die über unsere Kolonie eingebrochen war, verheirateten sich diese Leute ein zweites Mal mit unseren Mädchen, und so bekamen wir eine ziemlich große» Zahl von Doppelehen. (Fortsetzung folgt.)