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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 614

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-11-01
Page
Seite 614 (sequence 13)
Language
German
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MENORAH Ernst merken, clor bei dieser Gelegenheit am Platze gewesen wäre, auch nichts von Mitleid mit den bedauernswerten Emigranten. Sie waren bloß zu Witzen und Spoll aufgelegt und begegneten uns immer mit jener Verachtung des Spenders gegen den Bettler. Zudem schmückten sie ihre Reden mit heuchlerischem Mitleid und umgaben sich mit einem Nimbus von Stolz und Mohart, vielleicht um zu verschleiern, daß das, was sie hergaben, nicht aus eigener Tasche war. und daß sie oft von dem Gelde mehr Nutzen gezogen als der Arme, für den es bestimmt war. Als ich in Begleitung Dr. Nierensteins erschien, erhoben sich alle und begrüßten ihn höflich. Nachdem die Empfangszeremonie vorüber war, wandte sich Dr. Nierenstein mit einiger Erregung an sie: „Meine Herren, wenn Sie trotz der Depesche der Allianz, die da lautete: ,Versorgen Sie diese Leute, wir werden sie demnächst nach Argentinien schicken', beschlossen haben, Herrn Alperson nicht dort hin zu schicken, so müssen Sie diesem Manne vorläufig tausend Gulden geben und ihm in Lemberg Unterhaltsmöglichkeit schallen. ..Adieu, meine Herren!" Er verneigte sich und zog mich an der Hand fort. „Kommen Sie mit!" sagte er, und als wir uns in seinem Hause befanden, fuhr er aufgeregt fort: „Haben Sie sich diese Herren im Zylinder angesehen? Diebe, einer wie der andere... Ich kenne sie längst! Ich möchte Ihnen bloß eine Tatsache erzählen." Und er begann mit trauriger Stimme: „Im Jahre 1882, als unter den Juden aus Rußland eine grauenhafte Flucht eingesetzt und in Brody eine Durchzugsstation gefunden hatte, erhielt ich von meiner Tante in Wien ein Telegramm, Sir Rabbi Samuel Montague (spätem Lord Swithling) aus London und den Rabbiner von Brody, die in Emigrationsangelegenheiten reisten, am Bahnhof zu empfangen. Ich erfüllte den Wunsch meiner Tante, und die erste Frage, mit der sich Sir Montague an mich wandte, lautete: „Wissen Sie vielleicht, Herr Nierenstein, wo wir hier koscheres Essen bekommen könnten?" Ich bot ihm mein Haus an, aber er lehnte mit der Bemerkung ab. er sei in seinem Leben noch niemandem zur Last gefallen. Ich führte ihn in ein Hotel, schickte ihm auf sein Verlangen unseren Schächter. meine fromme, nun gottselige Mutier lieh ihr Kochgeschirr und beaufsichtigte einige Tage hindurch persönlich die Einhaltung der rituellen Vorschriften in der Küche. Als dieser fromme Mann nach einigen Tagen mühevollster Arbeit in dem damaligen Komitee abreiste1.

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