Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 613 (sequence 12)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN HAUERN WERDEN! nahmen Diener und Türsieher auf, die an den russischen Emigranten ihr Mütchen kühlten. Sie pflegten uns die Treppen hinabzuschieudern, wie Hunde zu verjagen und wie Trunkenbolde zu beschimpfen. Das Komitee war voll beschäftigt: man schrieb Protokolle und Berichte, verteilte Brotrationen unter Püffen und Seitenhieben und überhäufte uns mit Beinamen wie Russisches Schwein! Schnorrer!" So empfingen uns die Beamten. Dort schloß ich Bekanntschaft mit einem brünetten jungen Manne, einem sehr feinen und gebildeten Menschen aus Lemberg namens Gerschon Bader, der jetzt ständiger Mitarbeiter des New Yorker „Tagblatts" und anderer jüdischer Zeitungen ist. Wir ärgerten uns beide über die engherzigen ..Wohltäter" und ihre verkrüppelten Seelen. Indessen waren gute sieben Wochen verstrichen. Eines Tages erschien ein gewisser Dr. Klein aus Wien, und es gingen Gerüchte um. dal.) man darangehe, die Emigranten nach Amerika zu überführen. Wir Sieben, die Ersten auf der Liste des Komitees, wurden auch als Erste vorgeladen, und Dr. Klein fand, man müßte mich, zur Strafe nicht nach Amerika schicken. ,,Dieses Mannes wegen", erklärte er, „mußte das Komitee in Lemberg begründet werden, er schrieb Briefe in alle Städte, was zur Folge hatte, daß diese Masse von armen Leuten hergeilutet kam.'' Kurzum, die anderen sechs Kameraden wurden angenommen, während ich ausgeschieden wurde. Ich wandte mich an Buber. Er lelephonierle an Nierenstein, der gleich darauf zu ihm kam. mich bei der Hand faßte und aufgeregt sagte: Kommen Sie mit mir zum Komitee!" Durch einen Haufen von Weibern und Kindern und einige Polizisten vor den Stufen bahnten uns die Diener einen. Weg. An einem langen, mit Akten übersäten Tisch saßen die Herren Wohltäter, denen leider Gottes unsere Angelegenheiten übertragen worden waren, rissen Witze und machten sich über das Unglück der russischen Juden lustig. Wie die russischen Untersuchungsrichter nahmen sie jeden ins Verhör, durchsuchten seine Taschen, um sich zu überzeugen, ob er kein Geld verstecke, plagten und quälten ihn. ,.Nun, diesen Mann müssen wir nach Rußland zurückschicken!" witzelte ein Schmerbauch mit reichen Siegelringen an den Fingern, aber arm an Seele und Geist. Es handelte sich um einen Deserteur, der förmlich den Veitstanz bekam, wenn er an das Land, aus dem er geflüchtet "war. erinnert wurde. Bei jenen Komiteeherren konnte ich nichts von dem blutigen