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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 612

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-11-01
Page
Seite 612 (sequence 11)
Language
German
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612 M ENORAH anz in Wien sechstausend Gulden monatlich. Dieses Geld jedoch ist nur für die Handwerker von Lemberg, nicht aber für Durchreisende bestimmt." Hernach erkundigte er sich bei meinen Kameraden, warum sie Rußland den Rücken kehrten, und nachdem sie. selbst Dorfbewohner, die infolge der harten Verordnungen Ignatiews ihre Wohnstätten verlassen mußten, ihm von ihrer Not berichtet halten, wandle er sich an mich, als den Wortführer der Erschienenen, und sagte: ..Kommen Sie heute am Abend zu mir, wir werden uns dann zu Herrn Schlojme Buber, einem der Vornehmsten unserer Gemeinde, begeben, und ihn um Rat bitten.'' Am Abend waren bereits einige ..Notabein" im Hause Bubers versammelt. Ich wurde ausgefragt, worauf unsere Namen notiert wurden. Als der große Gelehrte Salomon Buber vernahm, daß ich einige seiner Aufsätze, die im .Jlameliz" erschienen waren und in seinem spätem Werke „Tanchumotih" enthalten sind, erwähnte, trat der graue Mann lächelnd auf mich zu und sagte: ,,So, Sie sind ein Thorakundiger. da müssen wir Ihnen helfen!" Sie setzten ein Telegramm an die ,,Alliance Israelite" in Wien auf. und Dr. Nierenstein sagte zu mir: ,,Kommen Sie mit, ich will das Telegramm selbst zur Post tragen, und Sie werden indessen auch das Lemberger Postamt besichtigen, ein so herrliches Gebäude haben Sie gewiß noch nicht gesehen'/ Ich wollte die Kosten des Telegrammes tragen, er aber wehrte ab. ,,Holen Sie sich am Montag die Antwort." sagte er. ..denn am Sonntag arbeiten sie dort nicht." Montag traf die Antwort ein. Sie lautete: ,,Versorget die sieben Familien. Wir werden sie demnächst nach Argentinien schicken." Wir kehrten fröhlich in unser Quartier zurück und schrieben sofort an unsere Familien, daß sie sich reisefertig machen, da wir nach Argentinien geschickt werden. Wir warteten, Tag um Tag verstrich. Plötzlich begannen Emigranten in Massen herbeizuströmen. Sie trafen in Lemberg ein und belagerten die Kultusgemeinde. Das waren arme, gehetzte Juden aus allen Gegenden, die mit Weib und Kind und ihrer ganzen Habe ankamen und Schiffskarten und Lebensmittel verlangten, so daß zu diesem Behüte ein ,,neues" Komilee begründet werden mußte, ein Hilfskomitee nach allen Regeln der Kunst und mit all den bekannten Lumpereien. Dr. Nierenstein und der selige Buber traten aus dem Präsidium aus. die neuen ..Führer" übernahmen das Regime und richteten einen Apparat mit allem möglichen Beamtenklüngel ein: Sie

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