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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 611

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-11-01
Page
Seite 611 (sequence 10)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 611 sehen der Anwesenden, einen Kosatscliok, den russischen Nalionallanz. Ich erkannte die Frau sogleich, denn ich halte im Waggon, auf der Fahrt von Lemberg nach Krakau, dieselben Worte aus ihrem Munde vernommen. Auch damals tanzte sie, aber mit noch stärkerer Ekstase. Ja, jene Herren, sie können aus unserem Gedächtnis nicht sehwinden, wir verachten sie dauernd! Ich kann nicht umhin, meiner Reise nach Argentinien und jenen Herren im Zylinder, mit denen ich in Berührung kam und die sich an den Kassen der Emigrationsgelder reichlich gemästet hatten, ein Kapitel zu widmen. Ihr guten Leser werdet mir verzeihen, wenn ich euch ein wenig langweile. Habt ihr etwa einen anderen Ausweg? Illach den Ostern des Jahres 1891 erschienen schwarze, dichte Wolken auf dem jüdischen Himmel Rußlands und so trafen sich sieben Emigranten an der österreichischen Grenze, die in die Welt zogen, um sich eine neue Heimat zu suchen; unter ihnen war auch ich. Da ich im Besitze1 eines Briefes von einem Freunde namens Gawriel Reich war, der sich einige Jahre früher in Argentinien niedergelassen hatte und mir versicherte, daß die argentinische Regierung last kostenlos Grund und Boden für Siedllingszwecke abgebe, beschlossen wir Sieben dorthin auszuwandern, um Ackerbauer zu werden. Komitees und die Kolonisationsprojekle des Baron Hirsch hatten damals noch nicht bestanden. Im Zuge, vor der Station Stanislan, kamen wir mit einem Lemberger Bürger ins Gespräch, der uns riet, in Lemberg Aufenthalt zu nehmen, da der Baron Hirsch dein dortigen Kultusvorstand große Geldsummen zur Verfügung gestellt hatte, um die nach Amerika auswandernden russischen Juden zu unterstützen. Wir befolgten seinen Rat. An einem Sabbatnachmittag sprachen wir beim Vorsteher der Kultusgemeinde oder der Wiener ,.Alliance'\ einem gewissen Herrn Dr. Nierenstein vor. Er war ein hübscher, junger Mann mit sympathischen Gesichtszügen und überdies ein Mensch mit einer edelmütigen Seele. Mit Aufmerksamkeit hörte er uns an und erklärte1: ,,Es stimmt wohl, wir erhalten vom Baron Hirsch durch die AUi- XVII. Die Hilfskomitees für Emigranten.

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