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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 610

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-11-01
Page
Seite 610 (sequence 9)
Language
German
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GIO MENORAH zum Braten, zwei Maschen Schnaps, das stellte die Verwaltung bei: und beide Schächter. sie trauten umsonst. Da war es für Feitel Schadehen und Awrum. dem ..Höllen wärt er", ein leichtes, allnächtlich I>aare zu sa minenzusueben. .,Die Vornehmheit wurde über Bord geworfen, und die Sorge von das Fortkommen liegt ja auf den Schultern des Barons, und Ihr, Reh Sejde, könnt jetzt nichts Besseres tun, als Eure Kinder zu verheiraten!" lautete Feitels Devise. Auf diese Weise wurden die heimatlosen Eltern all ihre geschiedenen, verwitweten und sitzengebliebenen Töchter los. Die llod'nung lachte, das Glück schien ihnen hold, der Optimismus der jüdischen Seele, mit herrlichen Illusionen durchwebt, spielte auf goldener Harfe ein Halleluja zu Ehren des Barons, auf das Heil des warmen, freien Landes, das uns unter seine schützenden Fittiche genommen! Nicht selten erfaßte mich ein Gruseln, da ich nachts an einer Hülle, lehnte und zusah, wie die Wanderer ihre Hochzeiten feierten. Arm, barfuß und halbnackt, auf fremder Erde, stumm wie das liebe Vieh, hielten sich etwa vierzig bis fünfzig Leute an den Händen, tanzten im Reigen und sangen fröhliche Lieder. Von einem starken Glauben genährt, beladen mit der jüdischen Geduld, blickten sie holfnungsvoll in die Zukunft, lachten aus vollen Kehlen dem Mond ins Gesicht und hörten alles wie die Katze. Sobald ich das alles sah, pflegte mich nur ein einziger Gedanke zu beherrschen: O, welch eine Lebenskraft besitzt doch unser Volk! Noch interessanter war die Trauung des Burschen aus Grusinien mit Mirele Bachmuth, dem Mädchen aus dem Kaukasus. Das herzerschütternde Hochzeitslied, das die Braut über ein Tscherkessenmädchen sang, das gefangengenommen und in die Fremde verschleppt wurde, werden die Kolonisten nie im Leben vergessen; auch nicht den Toast, mit dem der Bräutigam die Herren des Komitees in Lemberg, Krakau und Hamburg ..beehrte", die unsere Brüder gepeinigt und gequält halten. Er hatte sie einfach mit allen biblischen Flüchen belegt, und sie mit den schärfsten Ausdrücken verdammt. ,,Sprach ich denn nicht die reinste Wahrheit?" fragte er stürmisch und richtete seine wie schwarze Diamanten funkelnden Augen auf uns. ,,Freilich stimmt alles!" bestätigte eine dunkle, großgewachsene Frau. „Gottlob, wir sind nun zwei Peiniger losgeworden: den Zaren und die Hilfskomitees." Und im Nu schürzte sie das Kleid und tanzte, unter Händeklat-

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