Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 609 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! ,,Wir kommen zu Ihnen. Ihre Hülle ist ja groß und geräumig, wir möchten liier einen Trauakt vollziehen. Mein junger Schwager Joßl und meine Cousine Feige, das Brautpaar, sie sind hier, auch die llochzeitsgäste, unsere Sohin'skameraden . . Ich mustere im Mondenschein das Brautpaar. Er, ein großer, schwarzer Jüngling in einem Zylinder, den er sich hei einem alten Deutsehen geliehen hatte, in einem englailligen Rock und Holzschuhen. die die Verwaltung verteilt hatte. Lächelnd steht er neben der Braut, einem jungen, hübschen Mädchen, das nicht reicher gekleidet war als der Bräutigam seihst; sie ist erschrocken. Schamröte steigt ihr ins Gesicht, und sie starrt in den Mond, als wollte sie sich überzeugen, ob ihre verstorbenen Eltern vom Himmel auf sie herabsehen, um ihrem Kinde den Hochzeitssegen zu geben. In ihren Augen stehen Tränen. Aus der Menge tritt Feitel mit einem Blechkessel in der Hund, auf dem er den Hochzeitsmarsch autspielt. Die Frauen setzen die Braut auf eine Kiste. Busie Schargorodski und Awreml Rosenfeld machen die Schalksnarren und besingen die Braut. Es regnet Reime. Die Frauen und die Braut weinen reichlich. Awrum, der ..Höllenwürler", begann zu kommandieren: .,Frauen, zur Chupe!" Junge Burschen spannen einen Schal über vier Heugabeln. Der Schächter Eisig Glasermann vollzieht den Trauakt. und der Schächter .1. Krell ergreift ein mit Schnaps gefülltes Glas und spricht den zweiten Segen. Unter dem Geklimper der Tassen und Pfannen widerhallt Maurizio von dem ersten „Maseltow". Auch Gerbl und Frau hatten sich zur Trauung eingefunden. Er spendete einen ganzen Sack Galletas und fünf Flaschen Schnaps, angesehen von dem Fleisch, das es in Hülle und Fülle gab. Schließlich nahmen sich die ausgefransten und schäbig gekleideten Einwanderer an den Händen, schlangen einen Reigen, tanzten den Brauttanz im silberklaren Mondlicht und unterhielten das Brautpaar bis gegen Tagesanbruch. Der bekannte Dr. Steinschläger von der Klinik in Buenos Aires isl die Frucht jener ersten Hochzeit in Maurizio. 13 ie sonderbare Eigenschaft, der Konkurrenzneid, den unser Volk in übertriebenem Maße besitzt, begann auch bei den Hochzeiten hervorzutreten. Einer beneidete den andern. Mitgift und Heiralsausslattung wurden ja nicht benötigt! Einige Semmeln, eine Ochsenrippe